In der RTL-Spezialsendung „Am Tisch mit Friedrich Merz“ hatte am 27.8.2026 die Kinderärztin Dr. Bea Merscher Bundeskanzler Friedrich Merz scharf kritisiert, er breche mit den Kürzungen im Gesundheitswesen durch das GKV-Spargesetz seinen Amtseid. Seine Politik sei Menschen-verachtend. Auf Ben (ungeskripted) vertieft die erfahrene Ärztin ihre Kritik und rechnet grundsätzlich mit dem deutschen Gesundheitssystem ab, das jetzt seinen Todesstoß erhalte. Die Politiker hätten vielfach vom Gesundheitswesen keine Ahnung und machten Gesetze gegen die dort tätigen Fachleute und gegen die Bevölkerung. – So berechtigt ihre Kritik ist, die sich aufdrängende Not-wendige Konsequenz daraus zieht auch sie nicht.
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I. Dr. Merschers Kritik am Gesundheitssystem
Frau Dr. Merscher sagt in dem Gespräch mit Ben:
„Unser Gesundheits-System steht jetzt in Flammen an einer Klippe. Damit man sich das vorstellt: Ohne dieses Gesetz steht jetzt schon unser Gesundheitssystem an der Klippe. Die Menschen, die darin arbeiten, arbeiten im brennenden System. Ja, was bedeutet brennendes System?
– Rettungswagen von 45 Minuten mit einem Schlaganfall-Patienten, wo „time is brain“, jede Minute zählt. Ohne Therapie gehen Gehirnzellen unter, irreversible Schädigung, weil die kein Krankenhaus mehr finden, das den Patienten nimmt.
– Wir reden von Intensivbetten in der Kindermedizin, die nicht befahren werden können, weil es keine Pflegekräfte gibt. Das heißt, diese Kinder werden im Winter mit Lungenentzündung durch ganz Deutschland geflogen, weil niemand diese Kinder mehr versorgen kann.
– Wir sprechen von Menschen, die auf dem Flur liegen. Also, ich habe ja selber behandelt; da stehen dann Sauerstoffflaschen auf dem Flur, die Kinder liegen auf irgendwelchen Pritschen.
Da stehen wir schon. Das heißt, wir stehen schon ohne dieses Gesetz in einem brennenden System, und dieses Gesetz ist jetzt der Todesstoß: runter die Klippe. Das wird einfach die Klippe runtergestürzt. Und jetzt könnte man ja meinen, dass zumindest ein kleines Tränchen vergossen wird, aber sie spucken uns dabei noch ins Gesicht.“ 1
Diese Kritik Frau Dr. Merschers ist fundiert. Sie stützt sich auf gravierende Fakten. So sind seit dem Jahr 2000 bereits über 520 Krankenhäuser geschlossen worden: Damit sind etwa ein Viertel der Krankenhäuser mit ca. 80.000 Krankenhausbetten verschwunden. Das vollzieht sich vor allem im ländlichen Raum. Viele kleinere Krankenhäuser können unter der Knute des staatlichen Krankenversicherungssystems nicht mehr kostendeckend arbeiten. Sie müssen schließen und das Personal entlassen. Das hat gravierende Auswirkungen.
Dann schildert sie, wie das GKV-Spargesetz beispielsweise die Psychotherapeuten trifft, deren Arbeit sie als außerordentlich wichtig für die heutige Gesellschaft einschätzt:
„Psychotherapie rettet Leben jeden Tag. Ja, das ist ausgerechnet worden. Jeder Euro, den du in die Psychotherapie steckst, kommt volkswirtschaftlich gesehen 2,7-fach wieder zurück. Weil, es verhindert Arbeitsunfähigkeit, es verhindert Chronifizierung, es verhindert Früh-Berentung, es verhindert auch – das Wort, vielleicht muss man das zensieren – Suizid. Ja, wir reden hier von Menschenleben. Die ist jetzt schon sehr, sehr, sehr unterfinanziert, die Psychotherapie. Also die Menschen, die dort arbeiten, die verdienen meine absolute Hochachtung. Ich verlange, dass alle Menschen dort das Bundesverdienstkreuz verliehen bekommen, die sich das noch antun.“
Ihre Ausbildung koste ca. 50.000 €. Dann müsse man Praxis-Räume mieten, ein IT-System kaufen, Berufs-Haftpflichtversicherung abschließen etc. Im Moment würden pro Praxis für die Woche 30 Stunden bezahlt. 30 Stunden bedeuteten 50 Minuten mit dem Patienten. Da müsse der Psychotherapeut vorbereiten, nachbereiten, abrechnen, codieren etc., da sei er länger als 40 oft 50 Stunden die Woche mit beschäftigt.
Das neue Gesetz deckle und kürze alles. Ab 2027 würden ihm von der staatlichen Krankenkasse anstatt 30 Stunden nur noch 18 Stunden die Woche bezahlt. Seine Kosten laufen aber weiter. Das bedeute, dass er gar nicht mehr kostendeckend arbeiten könne. Er würde gezwungen, zu selbst zahlenden Privat-Patienten, die sich das leisten könnten, auszuweichen.
Die Wartezeit bei einem Psychotherapeuten betrage heute mehr als 5, 6 Monate. Sie selbst habe 2 Jahre auf einen Termin warten müssen.
Welche Einstellung die Politiker dazu haben, zeige ein Interview der heute-show mit Karl Lauterbach. Auf den Hinweis auf diese lange Wartezeit bei den Psychotherapeuten sagte dieser lachend: „Warten Sie erst mal die Gesundheitsreform ab, … dann werden sie noch mit Glücksgefühlen zurückdenken.“
https://www.youtube.com/shorts/WY1KuY9O05M
Dr. Merscher: „Das heißt, der weiß ganz genau, was die Konsequenzen dieses Gesetzes sind.“ Natürlich habe er für das Gesetz gestimmt. „Dann kannst du mir doch nicht sagen, dass das nicht Menschen-verachtend ist. Die wissen, was sie tun, und sie stimmen trotzdem dafür ab, verkaufen uns das als Paradigmenwechsel. Also wenn das der Paradigmenwechsel ist, dass Menschenleben jetzt nichts mehr wert sind, ja, dann ist das ein (wirklicher) Paradigmenwechsel.“
Und sie fragt sich, was das für ein Mensch ist: „Karl Lauterbach. (…) Also der ist völlig geisteskrank. Ja, der braucht mal bitte eine psychiatrische Diagnose. Ich sag das so klar, weil dieser Typ ja, also der ist ja, glaube ich, sogar Arzt, wenn ich mich jetzt nicht irre. Der hat aber noch nie irgendwo im Krankenhaus gearbeitet, ja, noch nie im Krankenhaus gearbeitet. (…) Warum hat er noch eine Relevanz, warum ist der nicht schon abgesetzt worden. Den sollte man mal bitte canceln. Der weiß das ja alles. Der ist ja nicht ganz blöd, der ist nur perfide.“ 2
Sie nennt Karl Lauterbach nur als Beispiel für die ganze Politiker-Kaste, die das schon brennende Gesundheitssystem jetzt die Klippe runterstürzen würde … und „sie spucken uns dabei noch ins Gesicht.“
Besonders die Vorhaltung des Kanzlers Merz, die Ärzte seien ja Nutznießer des Systems, löste bei Ärzten und Klinikchefs, die Frau Dr. Merscher beipflichteten, heftige Kritik aus, wie focus.de berichtet.
„Sie verweisen auf die dramatische Personalknappheit und fordern einen Kurswechsel in der Gesundheitspolitik.“ In den sozialen Medien werde die Kritik besonders laut geäußert. … Frauenarzt Marcus Fischdick frage etwa: „Sehr geehrter Bundeskanzler Merz, was erlauben Sie sich eigentlich?“ Kinderarzt und Chefarzt Michael Dördelmann betone im Video seine langjährige Verantwortung: „Ich bin seit 35 Jahren Kinderarzt. Und seit 17 Jahren Chef also einer Kinderklinik. Ich verantworte jeden Tag nicht nur Medizin, sondern auch Budgets und Personal.“
Der Mediziner beschreibe die tägliche Belastung in den Krankenhäusern eindringlich: „Wir tragen dieses System, Herr Bundeskanzler, mit unbesetzten Stellen, mit Nachtdiensten, mit dem täglichen Kampf um jede einzelne Stelle und jedes einzelne Bett.“
Abschließend spreche er eine direkte Einladung an die Politik aus: „Deshalb eine Einladung an Sie und an alle gesundheitspolitischen Verantwortlichen ohne Kamera, ohne medizinisches Fachpersonal als Gefolgschaft. Kommen Sie einfach eine Nacht in unsere Klinik von 20:00 bis 06:00 Uhr. Stellen Sie sich hin und sehen Sie uns Nutznießern dabei einfach nur zu, wie wir alles geben, um Menschenleben zu retten.“
Es ist die Empörung der Fachleute über ahnungslose politische Dilettanten, von denen sie aus der Ferne gesteuert werden.
Doch offensichtlich sehen sie nur ein personelles Problem, das durch bessere Politiker gelöst werden könnte. So sagt Frau Dr. Merscher gleich zu Anfang des Teil-Videos: „Mit dieser Regierung wird es nicht gehen …“
Es wird auch mit einer besseren Regierung nicht gehen. Denn das eigentliche Problem ist die obrigkeitsstaatliche zentrale Steuerung der im Gesundheitswesen arbeitenden Fachleute durch Politiker. Selbst wenn dies Leute aus dem Gesundheitswesen wären, würden die jetzt vor Ort fachkundig arbeitenden Menschen wie Unmündige und als Objekte der Vorstellungen und Interessen anderer behandelt. Diese werden in jedem Fall zutiefst in ihrer Würde missachtet, die ihnen als freie Individualitäten zukommt, welche imstande sind, ihr Handeln aus eigener Erkenntnis selbst zu bestimmen.
II. Selbstverwaltetes Gesundheitssystem
Das heißt, dass die im Gesundheitswesen Tätigen die Organisation dieses Gesundheitswesens selbst in die Hand nehmen und in Selbstverwaltungs-Gremien durch Absprachen und Vereinbarungen ordnen. Eine sich obrigkeitsstaatlich gebärdende Politik hat hier nichts verloren.3
Konkret bedeutet dies, dass die staatlich organisierte Pflicht-Krankenkasse, die hier als Instrument staatlicher Diktatur im Gesundheitswesen dient, natürlich verschwinden muss.
Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV)
Die staatliche Krankenversicherung wurde vor einhundertvierzig Jahren im obrigkeitsstaatlichen Kaiserreich eingeführt, betraf aber anfänglich mit dem vielfach in Not und Abhängigkeit befindlichen Industrieproletariat nur knapp 10 % der Bevölkerung, für die sie damals sicher ein großer sozialer Fortschritt war. Sie ist inzwischen zum bürokratischen Zwangssystem für über 90 % der Bevölkerung geworden, die als mündige Bürger imstande wären, ihre Krankheitsvorsorge selbst in die Hand zu nehmen.
Dem Bürger ist das Selbstbestimmungsrecht genommen, sich unter der Vielzahl unterschiedlicher Versicherungen oder Solidargemeinschaften für diejenige zu entscheiden, die seinen Bedürfnissen am besten entspricht, z.B. weil sie die von ihm bevorzugten Heilverfahren und Heilmittel überhaupt oder besonders günstig erstattet. Und die Beziehung zur Versicherung, die nur ein freies Vertragsverhältnis gleichberechtigter Parteien sein kann, in dem vereinbarte Bedingungen nie einseitig geändert werden können, ist in ein Unterordnungsverhältnis verwandelt worden.
Der Staat bildet über die von ihm autorisierten Körperschaften öffentlichen Rechts Krankenversicherungen, deren Versicherungsbedingungen durch Gesetz und Verordnung inhaltlich geregelt werden und jederzeit einseitig per Gesetz geändert werden können. Die festgesetzten Beiträge werden zwangsweise eingezogen. Welche Heilverfahren, therapeutische Leistungen und Heilmittel bezahlt werden, wird von oben diktiert. Der Einzelne hat keine Einwirkungs- oder Ausweichmöglichkeit, geschweige denn einen vertraglichen Gestaltungsspielraum.
Der Obrigkeitsstaat tritt über die GKV sogar mit dem Anspruch der totalen Gesamtversorgung auf. Den untergebenen Zwangsmitgliedern werden keine Krankheitskosten erstattet, sondern die medizinische Behandlung, therapeutische Betreuung und die Arzneimittel selbst direkt zur Verfügung gestellt, indem die GKV Ärzte als „Kassenärzte“, Therapeuten und Apotheken in Dienst nimmt und mit ihnen die Leistungen an den Versicherten abrechnet.
Auch der Arzt und die Krankenhäuser stehen also zur GKV in einem Unterordnungsverhältnis: Sie müssen die medizinischen Leistungen erbringen, die im staatlich diktierten Leistungskatalog enthalten sind, andere werden ihnen nicht bezahlt. Sie werden zwar anders als der Patient nicht zwangsrekrutiert, sondern treten freiwillig in den Dienst der GKV, sie haben aber angesichts dessen, dass über 90 % der Bevölkerung am Tropf der GKV hängen, kaum eine andere Wahl.
Das Grundrecht der mündigen Menschen, der Patienten und der Ärzte gleichermaßen, ihre Lebensverhältnisse eigenverantwortlich zu bestimmen und zu gestalten, wird also in der vertikal, hierarchisch aufgebauten gesetzlichen Zwangsversicherung weitgehend ausgeschaltet.
Ein auf der Selbstbestimmung des Menschen basierendes Gesundheitswesen kann sich nur in einer horizontalen Struktur entfalten, in der sich freie und einander gleichberechtigte Menschen in freien Vertragsverhältnissen miteinander verbinden und ihre unterschiedlichen Bedürfnisse und Aufgaben aufeinander abstimmen.4
Jede gesetzliche Regelung des Staates ist hier gegen die freie Entfaltung der Persönlichkeit gerichtet. Die staatlichen Vertreter spielen sich als Vormünder auf und suggerieren, die Wahl der Vormünder sei Demokratie. Es ist in Wahrheit die Diktatur einer Parteien-Oligarchie.
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1 Siehe Teil-Video: https://www.youtube.com/watch?v=tcLPF9JJcZc
Das ganze Gespräch: https://www.youtube.com/watch?v=zUDFe4hYeIs
2 Vgl.:
https://fassadenkratzer.de/2022/10/28/der-mann-ist-psychisch-ernsthaft-auffallig/
https://fassadenkratzer.de/2022/08/04/der-lugen-tanz-der-lauterbachs-um-die-schweren-impf-nebenwirkungen/
https://fassadenkratzer.de/2022/08/22/die-totalitare-sprache-des-demokraten-karl-lauterbach/
3 https://fassadenkratzer.de/2026/10/01/fremdbestimmte-selbstbestimmung-der-obrigkeitsstaat-in-der-fassaden-demokratie/
4 Siehe näher: https://fassadenkratzer.de/2023/08/07/das-obrigkeitsstaatliche-zwangssystem-der-gesetzlichen-krankenversicherung-das-grundubel-des-gesundheitswesens/