Putins Kommentar zur Wahl in Sachsen-Anhalt

Auf YouTube stieß ich auf ein kurzes Interview mit Putin vom 12.9.2026, das die „unabhängige Onlinezeitung über Russland, russland.NEWS“ vermittelte. Er wurde beim BRICS-Gipfel von einem Journalisten der russischen Zeitung „Kommersant“ gefragt, was er von dem Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt halte. Er weigerte sich zwar wie immer, innenpolitische Ereignisse eines anderen Landes zu kommentieren, gab aber eine generelle Einschätzung der wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen in Deutschland und der EU ab, aus der heraus das Wahlergebnis zu verstehen sei. Seine eindringlichen Worte dürfen nicht überhört werden. Wir bringen daher nachfolgend ein Transkript der simultanen deutschen Übersetzung. (hl)


Bildschirmfoto


Frage
:
Sie haben heute viel über die BRICS-Staaten gesprochen. Ich habe eine Frage zu einem Land, das vielleicht weiter von hier entfernt ist, ihnen aber wahrscheinlich näher steht: Deutschland. Dort haben, wie Sie wissen, kürzlich Wahlen in Sachsen (-Anhalt) stattgefunden, und die „Alternative für Deutschland“ hat mit großem Vorsprung gewonnen. Es sieht so aus, als ob sich Ähnliches auch in Pommern abzeichnet. Wie stehen Sie dazu?

Putin:
Ich möchte und werde mich ausdrücklich nicht zu innenpolitischen Ereignissen äußern, die, in diesem speziellen Fall hier in der Bundesrepublik, stattfinden.
Aber dennoch gibt es dazu durchaus etwas zu sagen und zwar aus einem ganz bestimmten und wichtigen Grund: Ich denke, dass alles, was derzeit in Europa insgesamt geschieht, das Ergebnis systemischer Fehler des sogenannten Westens oder genauer gesagt der Globalisten des Westens in den Bereichen Politik, Sicherheit und Wirtschaft ist.

Jeder Mensch macht Fehler und auch wir haben in der Vergangenheit nicht wenige Fehler begangen, was letztlich für die gesamte Welt gilt. Doch das eigentliche Problem für den globalistischen Westen besteht darin, dass man sich nach dem Ende des kalten Krieges und dem Zusammenbruch der Sowjetunion plötzlich auf dem Gipfel des Olymps wähnte. Man glaubte offenbar, dass einem erstens alles erlaubt sei und zweitens, dass man selbst zu denjenigen gehöre, die niemals Fehler begehen würden.

Und diese Fehler begannen sich im Laufe der Zeit wie ein Schneeball immer weiter zu vergrößern und anzuhäufen.

Nun, gerade im Sicherheitsbereich ist es doch völlig klar, worum es hier eigentlich ging. Das ist der Versuch, die russische Föderation erst mit Hilfe von Terroristen im Kaukasus und Separatisten in die Enge zu treiben, dann mit anderen Instrumenten und jetzt mit Hilfe des neonazistischen Regimes in der Ukraine. Aber das hört nicht auf.

Sie haben uns einst in die G8 aufgenommen, aber ich habe ja bereits darüber gesprochen. Das war keine vollwertige Mitgliedschaft.

Nun, und ich habe das alles sehr gut gesehen. Obwohl scheinbar die richtigen Worte ausgesprochen wurden, wurde in der Praxis, ich wiederhole übrigens, der Separatismus im Kaukasus unterstützt und versucht, Russland weiter zu zerschlagen. Das ist eine Tatsache.

Aber auch die heutige Krise in der Ukraine wurde von ihnen provoziert. Das sind ständige Elemente des Drucks. Wir haben ja oft genug über die für uns inakzeptable Osterweiterung der NATO gesprochen. Am Ende sind sie bis zur Ukraine vorgedrungen. Sie haben Präsident Janukowitsch mit Hilfe eines Staatsstreichs von der Macht entfernt. Ich gebe jetzt keine Bewertungen der Tätigkeit von Präsident Janukowitsch ab. Sicherlich gab es viele Fehler, und wahrscheinlich gab es auch Gründe für die Unzufriedenheit der Bevölkerung, aber er war gegen den Beitritt der Ukraine zur NATO. Sofort, nachdem das Regime mit Hilfe, ich wiederhole, eines blutigen Staatsstreichs gewechselt wurde, wurde sofort das Ziel gesetzt, die Ukraine in die NATO zu ziehen.
Und das war letztendlich die eigentliche Ursache für die heutigen tragischen Ereignisse in der Ukraine. Sie, also die westlichen globalistischen Eliten, sind daran schuld, obwohl sie die Schuld immer auf uns schieben.

Was den Bereich der Wirtschaft betrifft: Das aktuellste Thema ist natürlich die Energie, oder?
Das sind Fehler in einem anderen Bereich, im Bereich der Wirtschaft.
Nun, wie oft haben wir mit Ihnen über die Notwendigkeit gesprochen, die zwischen uns bestehenden Beziehungen im Energiebereich aufrechtzuerhalten? Wir haben doch dasselbe Gas für 180 Dollar pro 1000 Kubikmeter nach Europa geliefert.
Das sei ihnen viel zu teuer gewesen damals, sagten sie uns. Man müsse nun unbedingt auf eine marktwirtschaftliche Preisbildung umstellen.

Aber was ist marktwirtschaftliche Preisbildung? Unsere Preise waren und sind bei Langzeit-Verträgen auch heute noch an die Preise für Erdöl und Erdölprodukte gekoppelt, die sich auf dem Markt bilden. – Nein, die Preise müssten „an der Börse gebildet werden“.
Wir sagten ihnen, Gas ist kein Marktprodukt, jedenfalls kein klassisches Marktprodukt. Das wird zu nichts führen. Die Preise werden bei Ihnen nur steigen.

Nun, bitte sehr. Der Preis liegt jetzt dort bei 1.000 Dollar oder Euro, und es wird vielleicht sogar noch mehr werden.
Was bedeutet die Preisbildung für Gas in Europa an der Börse? Sie wird nicht von Produzenten bestimmt, sondern von Börsenhändlern.

Gerade jetzt haben sie z.B. in Deutschland das Ziel, ihre Gasspeicher zu 70% zu füllen. Es ist nur das Ziel, zu 70% zu füllen. Ob sie es schaffen, das ist noch unbekannt. Und in den Niederlanden ist die Situation noch schlimmer. Nun, warum ist das so?

Die Leute im Börsenhandel denken nicht an den technischen Zustand dieser Speicher oder die physischen Volumina. Sie sehen nur, dass es heute profitabler ist, günstig eingekauftes Gas zu entnehmen. Was morgen passiert, ist zweitrangig. Das wird dazu führen, dass der Preis dort bald nicht mehr bei 1000, sondern bei 1500 liegt.
Das ist ein anderer, noch ein weiterer Fehler. Und wissen Sie, das ist bereits ein grundlegender Fehler, gerade im Bereich der Wirtschaft.

Ich habe kürzlich gehört, wie man in Deutschland sagt, die heutigen Machthaber behaupten ja, dass sie am Kurs der ehemaligen Führung Deutschlands festhalten, wobei auch der Name Helmut Kohl genannt wird. Ich war übrigens persönlich mit Kohl bekannt. Ich kann fest behaupten, er hatte nicht solche Ansichten, wie sie die heutige Führung der CDU vertritt. Die hatte er einfach nicht. Ich habe mit ihm gesprochen, als er noch Kanzler war, und auch nachdem er nicht mehr Kanzler war, da kam er uns besuchen.

Er war der Ansicht, dass die Zukunft Europas und der Bundesrepublik nur dann gesichert sei, wenn es enge, gut nachbarschaftliche und verbündete Beziehungen zu Russland gäbe. „Wir müssen uns gegenseitig ergänzen“, sagte er. Nur dann könne die europäische Zivilisation als eigenständiges Zentrum, also als intellektuelle und humanitäre Kraft erhalten bleiben mit allen weiteren Konsequenzen in den Bereichen Politik und Wirtschaft. Das ist es, worüber Herr Kohl mit mir sprach.

Doch heutige Eliten in Europa vertreten andere Standpunkte. Sie machen ihrer Bevölkerung mit einer vermeintlichen Bedrohung durch Russland, die angeblich noch aus Sowjetzeiten stammt, Angst. Es gibt keine solche Bedrohung und gab sie auch nie.
Wir bedrohen die europäischen Länder nicht und haben auch nicht vor, dies zu tun. Warum auch?

Niemand denkt auch nur darüber nach, dass wir keinerlei Gründe für irgendeinen Konflikt mit Europa haben. Alle Fragen sind durch die Ergebnisse des Zweiten Weltkriegs geklärt. Und was danach geschah, nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, geschah mit Zustimmung der russischen Föderation als Rechtsnachfolgerin der Sowjetunion. Alles, was diesen Vereinbarungen widerspricht, steht im Widerspruch zu unseren Interessen und entspricht nicht den grundlegenden Prinzipien des Völkerrechts und der UN-Charta. Darum geht es.

Aber sie bestehen genau auf irgendwelchen Veränderungen. Welche Veränderungen wollen sie? Die Ergebnisse des Zweiten Weltkriegs revidieren? Wozu drängen Sie jetzt Ihre Völker, die Völker ihrer Länder? Zum Krieg mit der russischen Föderation?
Jetzt sprechen sie davon, dass Sie darüber nachdenken, wie man Truppen auf das Territorium der Ukraine entsenden könnte. – Das bedeutet Krieg mit Russland.

Und ich verstehe es so, dass die Bürger der europäischen Länder verstehen, was passiert. Darauf, so scheint mir, basieren sowohl die Wahlergebnisse in der Bundesrepublik als auch die Tendenzen der politischen Prozesse in Europa insgesamt.

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Video:
https://www.youtube.com/watch?v=SjBieTsVzX4

 

 

 

Avatar von Unbekannt

Autor: hwludwig

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