Der Gebetsgottesdienst des Kriegsministers im Pentagon

US-Kriegsminister Pete Hegseth hat im vergangenen Jahr eine monatliche christliche Gottesdienstreihe im Pentagon, dem Kriegsministerium, gestartet. Am Mittwoch, dem 25. März 2026, fand der erste Gottesdienst seit Beginn des Angriffskrieges gegen den Iran statt, ein Tag nachdem er weitreichende Änderungen im Militärseelsorgekorps angekündigt hatte. Er sprach das ihm zugeschickte Gebet eines Militärseelsorgers, das seinen Vorstellungen des religiösen Beistandes für die kämpfenden Truppen entsprach. Mit ihm rief er u.a. zu „überwältigender Gewalt“ gegen diejenigen auf, die „keine Gnade verdienen“. – Es findet hier eine verhängnisvolle Verkennung und satanische Instrumentalisierung des Christentums statt.

Tätowierung auf Bizeps von P. Hegseth: „Deus Vult“ = „Gott will es“ – Schlachtruf im 1. Kreuzzug  (Bild: Instagram / Hegseth)

I.   Transkript des Videos von „USA Today“ vom 25.3.2026

Hier zunächst ein Transkript des Videos vom Gebetsgottesdienst am 25.3.2026, von mir aus dem Englischen mit Hilfe von Deepl übersetzt, damit der Leser ein Bild von der ganzen Situation bekommt:

Ankündigung eines Beamten:

„Und nun möchte ich einen der mächtigsten Männer Gottes vorstellen, unseren Kriegsminister, den ehrenwerten Pete Hegseth. (Hervorhebungen hl)

(Pete Hegseth:)
Nun, danke, Hung. Ich weiß deine Führungsstärke sehr zu schätzen. Und ich … Es stimmt. Ich glaube nicht, dass es einen passenderen Ort geben könnte – das sage ich jeden Monat. Jeden Monat ist es passend, genau hier zu sein. Diesen Monat und in diesem Moment umso passender, wenn man bedenkt, was Zehntausende Amerikaner gerade in diesem Augenblick tun. Und ich möchte dieser Gruppe sagen, was ich der Öffentlichkeit gesagt habe und was ich der Öffentlichkeit weiterhin sagen werde, direkt und aufrichtig.

Bitte betet jeden Tag für sie. Bitte ermutigt eure Familien, eure Kinder, eure Schulen, eure Kirchen, eure Gemeinden, euren Freundeskreis, offen für unsere Truppen zu beten, um ihnen die Fähigkeiten, den Mut und die Weisheit zu geben, die sie dort brauchen, wo sie sind. Und letzten Monat wollte ich ein Gebet vorlesen, das ich heute vorlesen werde, das ich angesichts der aktuellen Lage für passend halte, das aber im Januar genauso passend war wie heute. Und es wurde mir von dem Kaplan geschickt, der den Maduro-Einsatz betreut hat. Das war also das Gebet, das er vor dieser Mission mit den großartigen Amerikanern, die diese Mission durchgeführt haben, gesprochen hat, und er wollte es mit mir teilen.

Und ich möchte es heute mit der Gruppe hier teilen. Versetzen Sie sich also in die Lage eines dieser paar hundert Amerikaner, die im Begriff sind, diesen gewagten Überfall auf Eoima (?) zu unternehmen, und die viel Ungewissheit vor sich haben.
Und dies war die Schriftstelle, dies war die Lesung vor dem Einsatz und das Gebet, das dazu vorgetragen wurde. Zunächst eine Lesung aus dem Buch der Psalmen, Kapitel 18, Verse 37 bis 42. König David schreibt:

 ´Ich verfolgte meine Feinde und holte sie ein und kehrte nicht um, bis sie vernichtet waren. Ich durchbohrte sie, sodass sie nicht mehr aufstehen konnten. Sie fielen unter meine Füße. Denn du hast mich mit Kraft für den Kampf ausgerüstet. Du hast diejenigen, die sich gegen mich erhoben, unter mir versinken lassen. Du hast meine Feinde dazu gebracht, mir den Rücken zuzukehren, und diejenigen, die mich hassten, habe ich vernichtet. Sie schrien um Hilfe, aber es gab niemanden, der sie rettete. Sie schrien zum Herrn, aber er antwortete ihnen nicht. Ich habe sie fein wie Staub vor dem Wind zermalmt. Ich habe sie hinausgeworfen wie den Schlamm auf den Straßen.`

Und dann sprach er dieses Gebet, der Kaplan, und ich und wir beten es heute Morgen mit ihm:

´Allmächtiger Gott, der du unsere Hände für den Krieg und unsere Finger für den Kampf rüstest. Du, der du einst die Völker des Nordens gegen das alte Babylon aufstachelst und sein Land in eine Öde verwandeltst, in der niemand mehr wohnt. Sieh nun die Gottlosen, die sich gegen deine Gerechtigkeit und den Frieden der Gerechten erheben.

Zerbrich die Rute des Unterdrückers. Vereitle die bösen Pläne und zerschmettere die Zähne der Gottlosen. Lass das Böse durch den Sturm deines Zorns zugrunde gehen. Lass ihre Stiere zur Schlachtung gehen, denn ihr Tag ist gekommen, die Zeit ihrer Strafe. Gieße deinen Zorn über jene aus, die eitle Dinge planen, und blase sie weg wie Spreu vor dem Wind. Gewähre dieser Spezialeinheit klare und gerechte Ziele für ihre Gewalt. Umgib sie wie ein Schild. Beschütze die Unschuldigen und Tadellosen in ihrer Mitte. Mache ihre Pfeile wie die eines geschickten Kriegers, der nicht mit leeren Händen zurückkehrt.

Lass jede Kugel ihr Ziel treffen gegen die Feinde der Gerechtigkeit und unserer großen Nation. Gib ihnen Weisheit bei jeder Entscheidung, Ausdauer für die bevorstehende Prüfung, unzerbrechliche Einheit und überwältigende Gewalt im Handeln gegen jene, die keine Gnade verdienen.

Bewahre ihr Leben, schärfe ihre Entschlossenheit, und lass Gerechtigkeit schnell und ohne Reue vollstreckt werden, damit das Böse zurückgedrängt und die bösen Seelen der für sie bereiteten ewigen Verdammnis übergeben werden. Denn die Gottlosen fliehen, wenn niemand sie verfolgt, aber die Gerechten sind so kühn wie ein Löwe. Wir bitten um all dies mit kühner Zuversicht im mächtigen und mächtigen Namen Jesu Christi, des Königs über alle Könige. Und Amen.`

Amen. Und mögen die Gerechten so mutig sein wie ein Löwe. Mögen wir ein solches Gebet für unsere Männer und Frauen sprechen, die sich gerade in Gefahr befinden. Wenn man bedenkt, dass es solche Amerikaner gibt, die sich für uns, für das amerikanische Volk, einsetzen. Und das ist sicherlich unser Gebet für sie heute.

Es ist eine Ehre, dass ihr hier versammelt seid, und ich bin so dankbar für die vielen Führungspersönlichkeiten, die wir hier sehen, die ihr Vertrauen nicht auf Streitwagen setzen, sondern auf den König der Könige. Und an einem Ort wie diesem, an dem es viele Streitwagen und viele Fähigkeiten gibt – sie sind wunderschön, wir lieben sie und nutzen sie nach besten Kräften –, verstehen wir, wer der Schöpfer aller Dinge wirklich ist. Und mögen wir uns ihm in diesen Momenten unterwerfen, in denen wir versucht sind, uns von unseren eigenen Fähigkeiten und unseren eigenen Missionen vereinnahmen zu lassen, damit wir dies demütig vor ihn bringen. Also, danke, dass ihr heute hier seid. Ich weiß das zu schätzen.

Und es ist mir auch eine Ehre, heute von einem Kollegen aus unserem Kabinett begleitet zu werden. Es ist ein solcher Segen, Teil eines Kabinetts voller gläubiger Mitglieder zu sein, die gemeinsam beten, die regelmäßig gemeinsam die Heilige Schrift lesen, die sich treffen und gemeinsam beten. Es ist unglaublich, das mitzuerleben. Und als wir darüber nachdachten, wer heute vorbeikommen könnte, lag es absolut nahe, meinen lieben Freund, den 12. Minister für Veteranenangelegenheiten, Doug Collins, einzuladen. Er ist ein ehemaliger Kongressabgeordneter. Derzeit ist er noch Reserveseelsorger der Luftwaffe. Im Mai wird er seinen Dienst beenden.

Ich weiß nicht, wo er gerade seinen Wehrdienst leistet. [Gelächter] Das zählt heute hier. Das sind Punkte hier.
Was heute noch wichtiger ist: Er ist ein baptistischer Prediger, der seinen Herrn und Erlöser liebt und sich nie geschämt hat, den Namen Jesu zu bekennen, an jedem Ort, an dem er jemals in irgendeiner Phase seines Lebens gewesen ist.
Und er verkündet uns heute das Evangelium. Der Minister für Veteranenangelegenheiten, mein Freund Doug Collins. Komm bitte nach vorne.“ [Beifall] 1

II.   Die Verkennung des Christentums

Heranziehung eines Psalms aus dem Alten Testament

Der Kaplan stellt seinem Gebet Zeilen aus dem 18. Psalm Davids voran, die offenbar vorbildhaft dem Gebet die Richtung weisen sollen. Der Herr, den König David ca. 1000 v.Chr. als Schutzmacht im Kampf gegen seine Feinde anspricht, wird hier einfach 3000 Jahre später mit Christus gleichgesetzt.

David hat viele poetische Psalmen geschrieben, die in der Tat etwas Prophetisches haben und den Blick ahnend auf den geweissagten Messias öffnen, z.B. Psalm 23 „Der Herr ist mein Hirte“. Und Christus selbst sowie die Evangelisten haben immer wieder auf Psalmen hingewiesen und daraus zitiert. Viele Psalmen sind daher Weisheitsgut des Christentums geworden.
Aber sie müssen immer im Lichte des Christus, wie er dann selbst aufgetreten ist, seiner Haltung und seiner Lehre, interpretiert werden.

David hatte als König die Aufgabe, das auserwählte Volk in seiner Entwicklung auf Erden zu führen, damit aus ihm dereinst die bestmögliche Leiblichkeit für den Messias hervorgehen konnte. Er musste es gegen innere und äußere Feinde beschützen, die das zu verhindern drohten, notfalls auch mit Waffengewalt. Dazu wendet er sich in Psalm 18 in einer grimmigen Sprache Kraft suchend und dankend an „den Herrn“. Das ist hier selbstverständlich nicht der Messias, sondern Jahve, der die Juden geistig führende und die Ankunft des Messias vorbereitende Volksgott.

Es ist absurd, sich ebenfalls als auserwähltes Volk zu sehen, Jahve mit dem Vatergott und dem Messias und späteren Christus gleichzusetzen und als Schutzgott für die gegenwärtigen imperialistischen Kriege der USA zu missbrauchen.2

Wesen des Christus

Christus hat absolute Gewaltlosigkeit bis zu seiner Kreuzigung dargelebt. Als bei seiner Gefangennahme Petrus einem der Kriegsknechte ein Ohr abschlug, wies ihn Christus zurecht mit den Worten: „Stecke dein Schwert weg; denn alle, die zum Schwert greifen, werden auch durch das Schwert umkommen“ (Matthäus 26,52). Und er heilte dem Kriegsknecht das Ohr wieder an (Lukas 22, 51).

Christus hat die Menschen immer auf ihre innere Entwicklung verwiesen. In ihrer Seele sind sie den Angriffen, den versucherischen Einflüsterungen der Teufels und des Satans ausgesetzt. Wenn sie diese nicht bemerken oder ihnen erliegen, führt das im Äußeren zu den Taten des Bösen. Daher kommt alles darauf an, dass sich die Menschen mit den Kräften des Christus verbinden und in ihrem Inneren den Kampf gegen das Böse führen, um es hier besiegen. Dann zieht der Friede in ihre Seelen ein. Wenn Christus nach der Auferstehung den Jüngern, den Repräsentanten der Menschheit, erschien, sagte er daher stets als erstes „Friede sei mit euch!“ Und der innere Friede, aus der göttlichen Liebe zu jedem Menschen geboren, ist die Voraussetzung für den wahren äußeren Frieden.

Wird dieser Krieg im Inneren nicht geführt, wird das Böse nur in den anderen Menschen gesehen, den vermeintlich Gottlosen, den Feinden, die vernichtet werden müssen, und der Krieg wird nach außen verlagert. Jeder äußere Krieg ist ein Zeichen dafür, dass der Krieg im eigenen Inneren gegen das Böse nicht stattgefunden hat und nicht stattfindet und stattdessen nach außen versetzt wird. Dabei gerät dann das Böse im eigenen Inneren völlig aus dem Blick.3

Das Gebet des Kriegsministers

 „Allmächtiger Gott, der du unsere Hände für den Krieg und unsere Finger für den Kampf rüstest.Sieh nun die Gottlosen, die sich gegen deine Gerechtigkeit und den Frieden der Gerechten erheben.“

 Der Vatergott, so wird gleich in blinder Phantasie behauptet, habe die Hände der US-Amerikaner für den Krieg gerüstet. Welcher Geist des Hochmuts hat ihm das eingeflüstert? Die Iraner seien die Gottlosen, die sich angeblich  gegen den Frieden der gerechten Amerikaner erheben. Dabei haben die USA, noch während zum Schein Verhandlungen liefen, den Frieden gebrochen und den Iran angegriffen.

Und dann wird nach dem Vorbild der martialischen Sprache des Psalms der allmächtige Gott gebeten, die Pläne der Gottlosen zu vereiteln und sie wegzublasen wie Spreu vor dem Wind. Dies gipfelt in der Bitte, dass jede Kugel der eigenen Krieger ihr Ziel treffen möge und überwältigende Gewalt ihr Handeln bestimme „gegen jene, die keine Gnade verdienen“.

Und um all dies wird im Namen Jesu Christi, des Königs über alle Könige, gebeten. Welch eine Verlogenheit! Denn was hat Christus in Wahrheit gesagt, z.B. in der Bergpredigt?:

„Selig (sind) die Barmherzigen, denn ihnen wird wiederum Barmherzigkeit zuteil.
Selig, die reinen Herzens sind, denn sie werden darinnen den Gott schauen.
Selig, die den Frieden in die Welt bringen, sie werden Söhne Gottes genannt werden. …

Ihr habt das Wort gehört, das zu den Menschen der Vergangenheit gesprochen worden ist: ´Du sollst nicht töten. Und: wer tötet, führt einen Bruch seines Schicksals herbei.` Ich sage euch: Schon wer zornmütige Impulse walten lässt gegen seinen Mitmenschen, führt einen Bruch seines Schicksals herbei. Und wer sich aus hochmütiger Erhebung gegen seinen Mitmenschen wendet, versündigt sich an der geistigen Führung seines Volkes. Und wer gar aus Hass und Feindschaft den Mitmenschen verflucht, macht, dass seine Seele dem kosmischen Feuer verfällt.“  ( Matthäus 5, 7-9, 21, 22)

Die Amerikaner John und Nisha Whitehead schreiben dazu:

„Die Sprache moderner Regierung ist die Sprache des Imperiums. Es ist die Sprache von Dominanz, Vergeltung, Eroberung und Kontrolle – von Feinden, die vernichtet werden sollen, Nationen, die unterworfen werden müssen, und Andersdenkenden, die zum Schweigen gebracht werden.

Unter der Trump-Regierung wurde diese Sprache des Imperiums zusätzlich mit religiösem Eifer aufgeladen, der Jesus Christus nicht mehr als Friedensstifter darstellt, sondern als Symbol für Macht, Eroberung und Kontrolle.
Krieg wurde in Patriotismus gekleidet. In Schriftstellen gehüllt. Als „gerecht“ bezeichnet. Als „Frieden durch Stärke“ vermarktet.

Doch das ist kein heiliger Krieg. Es ist ein politischer Krieg, der als heiliger Krieg getarnt ist.
Trotz all der Inszenierung – erhobene Kreuze, Gebete von Podien, Politiker, die Gott anrufen, während sie Loyalität einfordern – haben die Werte, die Amerikas Kriege und Machtausübung antreiben, nichts mit den Lehren Jesu Christi zu tun.

Jesus sagte: Liebe deine Feinde. Die Regierung sagt: Vernichte sie.
Jesus sagte: Selig sind die Friedensstifter. Die Regierung sagt: Selig sind die Kriegstreiber.
Jesus sagte: Was ihr dem Geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.
Die Regierung sperrt die Armen ein, kriminalisiert Obdachlose, bombardiert Fremde und nennt es Sicherheit.

Das ist kein Missverständnis des Christentums. Es ist eine bewusste Umschreibung.“

(Siehe: https://uncutnews.ch/die-vereinnahmung-der-religion-wie-das-pentagon-die-bergpredigt-in-ein-kriegshandbuch-verwandelte/. Der ganze Artikel ist sehr lesenswert.)

Man muss sogar sagen: Das ist das Gegenteil von Christentum, Anti-Christentum.
Das ist die Sprache des Antichrist, der durch die Menschen wirken kann, da sie nicht aufmerksam darauf sind, woher solche Gedanken kommen, die sie für die eigenen halten.

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1  Video: YouTube · USA TODAY
2   Vgl. https://fassadenkratzer.de/2026/03/26/apokalyptischer-fanatismus-treibt-die-us-kriegsmaschine-gegen-den-iran/
3   Vgl. https://fassadenkratzer.de/2026/04/02/die-verhangnisvollen-wahnvorstellungen-uber-den-messias-und-die-wiederkunft-christi/

 

Avatar von Unbekannt

Autor: hwludwig

herbert.w.h.ludwig@posteo.de