Martin Sonneborn: „Merz & Klingbeil hassen Sie!“

Martin Sonneborn, Abgeordneter im EU-Parlament, wirft von Brüssel aus ein kurzes Schlaglicht auf die Anführer der Regierungsparteien in Berlin und kann vorweg mit beißendem Spott nur ankündigen: „Ein paar nette, aufmunternde Worte für Ihre Sommerferien… …erwarten Sie hier vergebens. Nur ein bisschen Hass fürs Wochenende… Smiley!“ Doch er versucht mit etwas Humor nur erträglicher zu machen, was so unendlich traurig und bitter ernst ist. Wir bringen nachfolgend das Transkript seines Kurz-Videos vom 12. Juli 2026. (hl)  

Bildschirmfoto

Guten Tag, draußen an den Geräten!

Eines muss man der SPD lassen: Immer, wenn man denkt, tiefer könne sie gar nicht mehr sinken, belehrt sie uns eines Besseren.

Nachdem in den letzten Wochen zu lesen war, die schwarz-rote Regierung in Deutschland könne sich nicht mehr einig werden, beweist das neue Reformpaket das Gegenteil: Besonders einig sind sich Merz und Klingbeil, wenn es darum geht, die Rechte einfacher Bürger einzuschränken und die Macht schwieriger Konzerne auszuweiten.

Falls Sie als Arbeitnehmer SPD gewählt haben, freut es Sie sicher, dass Ihre politische Vertretung zum Dank für Ihre Stimme im Verbund mit einem Blackrock-Außendienstler erst die Schikane rund um telefonische Krankschreibung und Attest-Pflicht ab Tag 1 durchwinkt, nur um daraufhin auch noch dafür zu sorgen, dass Sie bis in alle Ewigkeit irrsinnige Mieten an Vonovia und andere Miet-Haie zahlen müssen: Die Vergesellschaftung von Immobilienkonzernen, wie sie beim Berliner Volksentscheid von einer deutlichen Mehrheit gefordert wurde, soll künftig per Bundesgesetz verboten werden.

Bevor der von den Vätern des Grundgesetzes sicher nicht ohne Grund verfasste Artikel 15 zur Vergesellschaftung von Grund und Boden auch nur ein einziges Mal angewendet wurde, schaffen CDU und SPD ihn präventiv ab.  Ein Demokratieverständnis wie Kim Jong Un.1

Immerhin wollen Merz und Klingbeil aber auch dafür sorgen, dass Sie von all den Schweinereien ihrer Repräsentanten in Zukunft nicht mehr allzu viel mitbekommen müssen: Das Informationsfreiheitsgesetz, mit dessen Hilfe einfache Bürger wie Sie bislang etwa E-Mails und Verträge von Ministerien einsehen konnten, soll bis zur Unkenntlichkeit eingeschränkt werden.
Alles, was wir über Jens Spahns Maskendeals, Katherina Reiches Lobbykontakte oder Philipp Amthors allgemeine Blödheit wissen, verdanken  wir diesem Gesetz. 2

Früher wäre für das Beschaffen solcher Informationen auch mal die Presse zuständig gewesen, aber die bejubelt lieber, dass die Regierung sich überhaupt noch auf irgendetwas einigen kann und sei es auch nur der totalitäre Staatsumbau.

Während all die Arbeitnehmer-Quälerei unter der Behauptung des Sparzwangs und in der  Hoffnung auf Wachstum geschieht, sieht der neue Bundeshaushalt übrigens vor, jeden dritten Euro, den Sie an Steuern zahlen, in die Finanzierung von Panzern und Langstreckendrohnen zu stecken. Das  erhoffte Wachstum, das mit immer größeren Schulden herbeifinanziert werden soll, wird also nicht eines schönen Tages Ihr Leben verbessern, sondern vor allem das der Aktionäre von Rheinmetall, TKMS 3 und Konsorten. 203 Milliarden Euro beträgt die vorgesehene Neuverschuldung allein fürs Jahr 2027 – mehr als die Hälfte davon fließt in den Verteidigungsetat.

Bis 2030 werden es 70% sein. Macht unterm Strich gut 600 Milliarden Euro Verteidigungsausgaben in den nächsten vier Jahren,  damit Deutschland endlich wieder die mächtigste Armee Europas stellt.

Schade nur, dass wir dafür all die Errungenschaften und Freiheiten aufgeben müssen, die wir damit verteidigen wollten.

Tschüss, draußen an den Geräten!“

Video:

https://www.youtube.com/watch?v=C8qLuk-lHwU

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Anmerkungen (hl):

1   Siehe:
https://www.berliner-mieterverein.de/presse/pressearchiv/koalitionsbeschluss-gegen-vergesellschaftung-von-wohnraum.htm
https://verfassungsblog.de/ein-bundesweites-vergesellschaftungsverbot/

2   https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/informationsfreiheitsgesetz-regierung-reform-transparenz-fuchs-100.html

3   „TKMS AG & Co. KGaA mit Sitz in Kiel ist nach eigenen Angaben ein führender europäischer Systemanbieter für nicht-nuklear angetriebene U-Boote, Marineschiffe und neue Über- und Unterwassertechnologie (Wikipedia)

 

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Autor: hwludwig

herbert.w.h.ludwig@posteo.de