Leben kann nicht aus Totem entstehen – Die Unfähigkeit der Wissenschaft, das Leben zu erklären

Die gesamte Pflanzen-, Tier und Menschenwelt ist von Leben durchzogen und wäre ohne dieses nicht vorstellbar. Das Leben ergreift verändernd die Materie, ist aber selbst physisch nicht wahrnehmbar. Daher sucht die materialistische Wissenschaft, die nur physisch Wahrnehmbares als Wirklichkeit anerkennt, das Leben in den Prozessen der Materie zu finden. So heißt es in Wikipedia: „Leben ist ein Sammelbegriff für eine Vielzahl materieller Erscheinungen (Systeme) in der Natur, die sich in einem ständigen, geregelten Austausch von Energie, Materie und Informationen befinden.“ Womit nur von außen Vorgänge beschrieben sind, aber nichts erklärt wird. Es ist von ungeheurer Bedeutung, dem Leben in seinem Wesen selbst auf die Spur zu kommen.


Die Ärztin Dr. Daphné von Boch hat es in einem längeren Artikel 1  auf phänomenologische und streng logisch geführte Weise unternommen, das Leben als sinnlich unsichtbare, aber real wirksame Kraft herauszuarbeiten und von der Materie abzugrenzen.

Sie weist anfangs darauf hin, wenn die heutige Naturwissenschaft die Materie suche, die das Immaterielle des Lebens erzeugen solle, werde von der unwissenschaftlichen Voraussetzung ausgegangen, dass Immaterielles nicht für sich bestehen, sondern nur aus der Materie hervorgebracht werden könne. So suche man nach diesen Stoffen in der kleinsten noch lebenden Einheit, in der Zelle, im Zellkern, schließlich in der DNA des Zellkerns, in den Basen der DNA, in immer kleineren Teilen der Materie – immer nur vergebens.

„Vergleichsweise wird dabei so vorgegangen, als suche man einen Menschen, den man im Radio sprechen hört, indem man das Radio auseinandernimmt und dessen Drähte analysiert, um ihn zu finden. So aber kann der Mensch nicht gefunden werden. Er wird nicht vom Radio hervorgebracht. Er äußert sich nur durch dieses. Ebenso wenig wird das Immaterielle aus der Materie hervorgebracht. Es äußert sich nur durch diese.“

Dass Immaterielles nicht mit den Gesetzen der Materie zu erklären ist und auch nicht aus der Materie stammt, sei bereits von manchen Naturwissenschaftlern erkannt worden. Sie sagten ehrlich, dass sie nicht wissen, was das Immaterielle, was Leben, Seele oder Geist, auch was Licht oder Gefühle als solche seien. Sie könnten nur deren materielle Äußerungen erfassen und beschreiben.

Kann die Wissenschaft mit ihren heutigen Methoden das Immaterielle nicht erfassen, dann wird ihr das auch durch die bloße Beschreibung von dessen materiellen Äußerungen nicht gelingen. Eine neue Methode muss entwickelt werden, die das Immaterielle selbst erfassen kann.

Dabei hätten noch die Alchemisten im Mittelalter gewusst, dass es zwei Bereiche sind, welche die Wirklichkeit ausmachen: das Wahrnehmbare und das Unwahrnehmbare. Das Wahrnehmbare hätten sie das Wägbare genannt, dasjenige, was Gewicht hat– das Ponderable (von lt. pondus: Gewicht). „Nur das Wahrnehmbare, das Materielle, dasjenige, was mit Augen gesehen und mit Händen gefasst werden kann, hat Gewicht. Auf diesen Bereich hat sich die Naturwissenschaft gestürzt. Daher ist die physische Welt heute bis aufs Kleinste bekannt, und diese Kenntnisse können angewendet werden. Das Unwahrnehmbare hat umgekehrt kein Gewicht. Die Alchemisten nannten es daher das Imponderable, dasjenige, was durch Wiegen nicht erfasst werden kann.“

Als Vorläufer der Naturwissenschaft hätten die Alchimisten viele bis heute gängige Worte geprägt.
Ein solches Wort sei die „Substanz“. Es komme aus dem Lateinischen sub-: darunter, und stare: stehen.„Substanz bedeutet somit „darunter stehen“. So muss folglich etwas darüber stehen. Das wussten die Alchemisten: In der Substanz steht etwas darüber oder darinnen. Die Substanz ist nur dessen Träger, dessen Gefäß. Sie ist das Wahrnehmbare, das Wägbare, das Ponderable. Und was darinnen ist, der eigentliche Gehalt, ist unwahrnehmbar. Es ist das Imponderable. Das ist keine Substanz, sondern eine Kraft – das Leben zum Beispiel. Und diese Kraft ist so real wie die Substanz selbst.“

Der Inhalt bestimmt die Methode

Um das Wahrnehmbare zu erkennen, muss die Untersuchungsmethode der Art des zu erfassenden Objektes angepasst sein. Das Gewicht kann nicht mit dem Zollstock, sondern nur mit einer Waage gemessen werden.

„Doch weder mit einer Waage noch mit einem Zollstock kann das Unwahrnehmbare erfasst werden, weil es kein Gewicht und keine Länge hat. Um ein nicht wahrnehmbares Objekt zu erfassen, muss daher ein anderes Instrument als für ein wahrnehmbares Objekt verwendet werden.“

Ein Instrument oder Gefäß muss seinem Inhalt immer entsprechen. Sollen Steine getragen werden, braucht man z.B. passende Netze, für Wasser braucht man dichte Behälter wie Flaschen. Steine können nicht in Flaschen und Wasser nicht in Netzen getragen werden. Es ist der Inhalt, der das Gefäß bestimmt, und nicht umgekehrt.

„Das Gleiche gilt für die Substanz und deren unsichtbaren Inhalt, nur dass der Inhalt der Substanz eine Kraft, das heißt immateriell, also nicht wahrnehmbar ist. Das Gefäß aber, die Substanz selbst, ist wahrnehmbar und kann mit den Sinnen beobachtet werden. Damit kann es Kunde über seinen immateriellen Inhalt geben. Zudem liegt eine Kraft in der Substanz nicht passiv wie Materie, etwa wie Steine in einem Netz, sondern sie kraftet: Sie wirkt und verwandelt die Substanz, indem sie darinnen ist. Das heißt, diese wahrnehmbare Substanz ist bis ins Kleinste Ausdruck der in ihr wirkenden Kraft.

Wird nun unbefangen über diese Substanz nachgedacht, ohne ihr die aus der Materie bekannten Gedanken aufzuzwingen, dann können die Eigenschaften und Gesetze der in ihr wirkenden Kraft sich diesem Denken offenbaren. Denn das Denken erfasst nicht nur die Materie, sondern auch ihre unsichtbaren Zusammenhänge und dadurch die in ihr wirkenden Kräfte. Das passende Instrument, um unwahrnehmbare Objekte, um Kräfte zu erfassen, ist somit das unbefangene Denken selbst. Mit anderen Worten, was die Waage für die Substanz ist, ist das Denken für die Kraft. Es ist das Instrument für nicht wahrnehmbare Kräfte, etwa für das Leben.“

In den naturwissenschaftlichen Schriften Goethes fand der Goetheforscher Rudolf Steiner diese Methode für das Erforschen des unwahrnehmbaren Lebens im Ansatz vorbildlich entwickelt. Goethe ging streng von den wahrnehmbaren Phänomenen aus, die er umfassend beobachtete, ohne vorschnell subjektive Urteile oder gar Spekulationen damit zu verbinden. In dieser Haltung wartete er, bis ihm aus den Phänomenen selbst objektive Urteile entgegenkamen, die er dann an den Phänomenen wieder auf ihre Stimmigkeit überprüfte.

Versuchen wir dementsprechend bekannte Phänomene des Lebendigen ins Auge zu fassen.

Was ist Leben?

„Was ist der Unterschied zwischen etwas Lebendigem und etwas Totem? Was geschieht langfristig, wenn ein Mensch gestorben ist, das heißt, nachdem die Kräfte des Lebens sich aus seinem Körper zurückgezogen haben? Der Körper verwest, er zerfällt. Der Körper eines lebenden Menschen hingegen zerfällt nicht. Was bedeutet das? Leben ist eine Kraft, welche die Substanz zusammenhält. Das ist eine der Eigenschaften des Lebens: Es hält die Substanz zusammen.

Nicht beim gesunden Menschen, aber im Krankheitsfall kann ein Körperteil, beispielsweise eine Zehe, doch aus dem Lebendigen herausfallen: Die Zehe stirbt ab. Es treten dort wirkliche Fäulnisprozesse auf wie in der äußeren Welt. Wie entsteht Fäulnis? Durch Bakterien? Bakterien können unter dem Mikroskop gesehen werden. Deshalb wird gesagt, die Zehe stirbt durch Bakterien ab. Bakterien sind aber immer um den Menschen herum, und sein Körper zerfällt dennoch nicht. Das heißt, bevor Bakterien eindringen können, muss sich das Leben erst aus dem betreffenden Körperteil zurückgezogen haben. Die Ursache für das Absterben der Zehe ist das Zurückziehen des Lebens. Das Eindringen von Bakterien ist nur dessen Folge. Leben ist eine Kraft, welche das Zerfallen der Substanz verhindert.“

Doch das Leben hält nicht nur die Substanz zusammen, sondern bewirkt auch, dass diese wieder zusammenwächst, wenn sie verletzt ist. Und das ist die Heilung. Das Leben ist also die Kraft, aus der die Heilung stammt. Das ist keine Theorie, sondern eine durch jedermanns unbefangenes Denken erfasste Wirklichkeit. Mit unbefangenem Denken lassen sich unwahrnehmbare, aber in die Substanz hineinwirkende Kräfte wie die Kraft des Lebens erforschen.

Die Form von Lebendigem und Totem

„Beim Vergleich von toter Materie, wie sie im Reinzustand der Stein darstellt, mit etwas Lebendigem, wie einer Pflanze, kann beobachtet werden, dass der Stein keine bestimmte Form hat und dass seine Konturen von außen, durch Reibung mit anderen Steinen, durch Erosion mit Wasser usw. entstehen. Die Pflanze hingegen hat eine bestimmte Form, und diese wird von innen gebildet. Das ist eine weitere Eigenschaft des Lebens: Alles Lebendige hat eine von innen her gebildete Form.“

Kristalle haben zwar auch eine bestimmte Form, entstehen aber nur, wenn sie aus einer einzigen Substanz gebildet sind. Der Kochsalzkristall beispielsweise ist nur aus Natriumchlorid gebildet und nimmt rein die Form eines Würfels an. Aber Kristalle sind seltene Ausnahmen und zeigen keinerlei sonstige Eigenschaften des Lebens.

„Was geschieht im Laufe der Zeit mit der Form eines Steines, verglichen mit der Form einer Pflanze? Die Form des Steines bleibt lange gleich oder wird durch äußere Reibung kleiner. Die Pflanze hingegen wird größer. Sie nimmt an Substanz zu, sie wächst. Jeder Baum war einmal ein kleiner Samen. Auch das ist eine der Eigenschaften des Lebens: Das Lebendige wächst.“

Ein Kristall wächst nicht, sondern wird in einer gesättigten Lösung z.B. nur größer. Im Wachstumsprozess einer Pflanze vom Samen bis zum Baum aber verändert sich immer wieder ihre Form. Zum Wachstum gehört die Veränderung der Form von innen her, die Metamorphose.

„Die Pflanzen erscheinen in tausenden Formen, bestehen aber hauptsächlich aus nur einer Substanz, aus Kohlenhydraten. Ihre verschiedenen Formen können daher nicht aus dieser einen Substanz stammen. Die Pflanze besitzt zusätzlich zu den toten Stoffen eine Kraft, die Kraft des Lebens. Es muss folglich diese sein, welche die Form der Substanz bewirkt. Die bestimmte Form der Pflanze, ob sich aus einem Samen ein Veilchen oder eine Eiche entwickelt, stammt aus ihrer Mutterpflanze. Dass aber die Substanz überhaupt eine Form erhält, stammt aus dem die Pflanze durchziehenden Leben selbst. Leben ist eine Kraft, die über der Substanz steht und deren verschiedene Formen ermöglicht. Auch das ist eine Eigenschaft des Lebens.“

Woher kommt das Leben?

Die Pflanze wächst nur tagsüber, nachts hört sie auf zu wachsen. Das heißt, nur bei Licht bildet die Pflanze lebende Substanz:
Sie photosynthetisiert, aus dem Griechischen phos: Licht, und synthesis: zusammenstellen. Sie nimmt das Licht auf, führt es mit der Substanz zusammen und bildet damit lebende, wachsende Substanz. Nachts stirbt die Pflanze noch nicht, bildet aber keine lebende Substanz aus, obwohl beides, Wasser und Mineralien, weiterhin da sind. Wasser und Mineralien sind somit nur die Bedingungen des Lebens, ihr substanzielles «Gefäß». Die Ursache des Lebens ist Licht. Leben kommt vom Licht.“

Da Leben aus dem in der Substanz wirkenden Licht kommt, lässt sich dieses Licht wieder aus der Substanz lösen. Dies geschieht durch die Verbrennung der Substanzen. Tote Substanzen wie Steine sind nicht brennbar, da sie kein Licht enthalten. Nur als Ausnahme kann ein Mineral wie beispielsweise Schwefel verbrannt werden. Doch einst lebendige Substanzen hingegen wie Stroh, Holz, Kohle, Öl, auch Erdöl, und die Substanzen, die aus Erdöl stammen, wie etwa Plastik, können alle verbrannt werden, weil sie noch Licht enthalten. Bei der Verbrennung tritt dieses Licht wieder in Erscheinung.
Auch das ist eine Eigenschaft des Lebens: Alle Substanzen, die einmal lebendig waren, sind brennbar.“

Wie kommt das Licht chemisch in die Pflanzen?

„Der Leib der Pflanze ist im Wesentlichen aus Kohlenhydraten gebildet. Diese sind, wie der Name Kohlenhydrate besagt, halb Kohlenstoff und halb Wasser, aus dem Griechischen hydr-: Wasser. Alle anderen Stoffe wie Kalium, Magnesium usw. machen zusammen nur einen geringen Teil des Pflanzenleibes aus. Kohlenstoff ohne Wasser ist fest und folglich nicht formbar. Wasser ohne Kohlenstoff ist flüssig; es hat keinen Halt, keine Festigkeit. Beide zusammen aber sind formbar und fest genug, um das materielle Gefäß für das Leben zu bilden.

Die Kohlenhydrate werden nicht in der Wurzel oder in der Frucht gebildet, sondern in den Blättern. Fällt Licht auf diese, nehmen sie Kohlenstoff aus dem Kohlenstoffdioxid der Luft und Wasser aus dem Boden auf und binden beide durch das Licht zu Kohlenhydraten. Zwei Sauerstoffteilchen werden dabei von den Blättern ausgeatmet. Aus zwei toten Substanzen, Kohlenstoffdioxid und Wasser, wird nun durch das Licht eine lebende Substanz – Kohlenhydrate.

Bei der Verbrennung geschieht chemisch das Umgekehrte wie bei der Bildung der Kohlenhydrate: Um zu brennen, muss der Sauerstoff der Luft sich mit den Kohlenhydraten, etwa des Holzes, wieder verbinden. Kohlenstoff und Wasser gehen auseinander und binden sich wieder an den Sauerstoff. Sie werden als Kohlenstoffdioxid und Wasserdampf in der Luft wieder frei. Das sind die beiden materiellen Bestandteile des Pflanzenleibes, die Ponderabilien.

Aber auch Licht, das Imponderable, das in der Pflanze war, wird befreit und tritt wieder in Erscheinung. Dieses Licht ist an den Kohlenstoff gebunden, der glühend aus dem brennenden Holz herausgeht. Wird eine Tasse über die Flamme gehalten, setzt sich der Kohlenstoff als schwarzer Fleck, als Ruß, auf der kalten Fläche der Tasse ab. Warum aber erscheint der Kohlenstoff schwarz, wo er doch Licht enthält? – Gerade weil er das gesamte Licht in sich eingeschlossen hat, ist der Kohlenstoff äußerlich lichtlos und schwarz. Erst bei seiner Verbrennung tritt das in ihm enthaltene Licht wieder in Erscheinung.
Die Kohlenhydrate, die den Leib der Pflanze bilden, bestehen auch zur Hälfte aus Wasser. Dieses trennt sich beim Verbrennen der Pflanze und entweicht durch die Hitze als Dampf in die Luft. Nach dem Herausgehen von Kohlenstoff und Wasser bleibt von dem vielen schweren Holz nur noch ein kleiner, leichter Rest als Asche übrig. Das sind die wenigen Mineralien, die im Holz enthalten und als tote Materie nicht brennbar sind.“

Leben kommt aus dem Licht – und woher kommt das Licht?

Vor etwa 180 Jahren musste man, wenn die Sonne unterging, schnellstens nach Hause gehen. Denn es wurde dann wirklich überall dunkel. Das wird heute nicht mehr erlebt, weil es elektrisches Licht gibt. Dieses ist aber von Menschen hervorgebracht und nirgendwo in der Natur vorhanden.
Das Licht in der Natur kommt aus dem Kosmos, primär aus der Sonne, aber auch aus den Sternen.

„Kommt aber das Licht aus dem Kosmos und das Leben, wie oben dargestellt, aus dem Licht, dann muss folglich auch das Leben selbst nicht aus der Erde, sondern aus dem Kosmos kommen. Nur seine Substanzen, Kohlenstoff, Wasser und Mineralien, stammen von der Erde. Das Leben selbst stammt aus dem Kosmos.

Auch die Wärme kommt aus dem Kosmos, von der Sonne. Die Erde für sich genommen ist dunkel und kalt. Die Pflanze braucht nicht nur Licht, sondern auch Wärme, um lebende Substanz zu bilden. Daher sprießen in den warmen Monaten des Jahres die Pflanzen aus der Erde. Die Wärme verschwindet wortwörtlich in die Pflanzen hinein. Daher fühlen sich die Blätter beim Berühren kühl an. Der Wald ist nicht hauptsächlich wegen des Schattens kühl, sondern weil die Wärme in die Blätter verschwindet. Auch unter einem Bierzelt ist es schattig, aber dennoch nicht kühl. … Und wenn lebende Substanz verbrannt wird, wird nicht nur das Licht, sondern auch die Wärme der Sonne in den Flammen wieder frei.“

Die Rolle des Wassers für das Leben

Während das Tote sozusagen in den festen Mineralien herrscht, stützt sich das Leben auf das Wasser. Die flüssige Eigenschaft des Wassers ist bis in die physische Substanz der Pflanze hinein notwendig, die zur Hälfte aus Wasser besteht, damit sie geformt werden und wachsen kann. Da, wo kein Wasser, sondern nur Festes und Trockenes ist, wie in der Wüste, kann kein Leben entstehen.

„Das Wasser selbst ist noch nicht lebendig. Es hat keine Form, wächst nicht usw. Es kann das Leben auch nicht hervorbringen. Dies kann nur das Licht. Wasser ist aber Bedingung für das Leben. Leben erfordert Wasser, das Flüssige, bis in die Substanz der Pflanze hinein.
Das ist eine weitere Eigenschaft des Lebens: Es stützt sich auf das Wasser.“

Wann fängt Leben an?

„Das ist eine falsch gestellte Frage, und falsch gestellte Fragen können nicht beantwortet werden. Beispielsweise: Wie ist jemand in einen Raum hineingekommen, durch das Fenster oder durch den Kamin? Das kann nicht beantwortet werden, weil er durch die Tür gekommen ist.
Die Frage «Wann fängt Leben an?» setzt voraus, dass Leben einen Anfang hat. Und schon richtet sich die Aktivität auf die falsche Frage, «wann» es angefangen habe, ohne zu hinterfragen, ob Leben überhaupt anfängt. Die unbefangene Frage wäre: «Hat Leben einen Anfang?» – ohne «wann».

Francesco Redi (1626–1698) entdeckte schon vor fast 400 Jahren, dass Leben keinen Anfang hat. Aus leblosem Stoff können keine Lebewesen entstehen. Er stellte den Satz auf: «Alles Lebendige kommt vom Lebendigen.» … Das ist eines der wenigen Naturgesetze ohne Ausnahme. Selbst Bakterien können nur aus lebenden Bakterien entstehen. Leben fängt nicht an, sondern wird von einem zum anderen Lebewesen weitergegeben.“

Die Naturwissenschaft gehe aber davon aus, das Leben habe einmal aus Prozessen der toten Materie angefangen. Durch die Elektrizität von Blitzen z.B. sei Leben entstanden. Daher seien aus Milliarden Steuergeldern viele Institute einzig dafür geschaffen worden, aus dem Toten Leben zu erzeugen. Eiweiß könne tatsächlich synthetisch hergestellt werden. Es sei aber totes Eiweiß und könne nicht zum Leben erweckt werden. Deshalb seien auch alle Versuche, aus dem Toten Leben zu erzeugen, ergebnislos geblieben.

„Alles Lebendige kann nur von Lebendigem kommen und nicht von Totem. Wenn ein Naturgesetz ohne Ausnahme gültig ist, ist es aussichtslos, gegen dieses Gesetz anzugehen. Es braucht gar nicht erst versucht zu werden. (…)
Leben fängt nicht an, es endet, und zwar im Tod. Der Tod fängt an und nicht das Leben. Die lebende Substanz gerinnt zu toter Substanz. Die Entwicklung geht vom Flüssigen zum Festen, vom Leben zum Tod, und nicht umgekehrt.

Dass Leben nicht anfängt, bedeutet, auch das Leben eines noch ungeborenen Kindes kann nicht nach drei Schwangerschafts-Monaten beginnen. Wenn es in den ersten drei Schwangerschafts-Monaten nicht lebte, wird es auch danach nicht lebendig sein. Das Kind muss die ganze Schwangerschaft hindurch lebendig sein. Und vorher muss die befruchtete Eizelle lebendig gewesen sein, sowie davor das Spermium und die noch nicht befruchtete Eizelle. Die Eltern müssen bei der Empfängnis am Leben gewesen sein, und auch die Großeltern, als sie die jetzigen Eltern empfangen haben, usw. Dass rechtlich festgelegt wurde, das Leben eines Kindes fange nach drei Monaten Schwangerschaft an, ist Willkür. Es stimmt mit der Wirklichkeit nicht überein.
Auch das ist eine der Eigenschaften des Lebens: Leben fängt nicht an, sondern wird von einem Lebewesen zum nächsten weitergegeben.“

Das Leben und die Schwerkraft der Erde

Man mache sich klar, was wir ja ständig beobachten: Alles Tote unterliegt der Schwerkraft. Die lebende Substanz der Pflanze aber wächst entgegen der Schwerkraft in die Höhe. Tonnen von Materie wachsen als Pflanzen aus der Erde nach oben. Und das Wasser in der Pflanze steigt in die Höhe, ohne jeglichen mechanischen Antrieb, ohne Pumpe, und hebt die übrige Substanz mit sich nach oben.
Es wirkt eine Kraft, die Leichte, der Kraft der Schwere entgegen. In den Pflanzen sind Kapillare mit kleinem Durchmesser, in die nur sehr kleine Mengen Flüssigkeit aufgenommen werden können.

„Die Kraft der Leichte in der lebenden Pflanze kann an dieser Kapillarkraft ansetzen und die Flüssigkeit nach oben bis zur Baumkrone heben, bis über 100 m hoch, wie bei den Mammutbäumen des Yosemiteparks in den USA.“

Woher kommt die Leichtekraft?

Wie Licht und Wärme komme die Kraft der Leichte aus dem Kosmos, aber nicht von einem bestimmten Punkt, sondern aus dem gesamten Umkreis der Erde. Daher wirke sie nicht wie ein mechanischer Sog, sondern als ein gleichmäßiges, leichtes Anheben entlang der gesamten Fläche um die Erde herum, ähnlich wie bei der Verdunstung. Sie komme aus der Peripherie der Erde und wirke hebend auf die Peripherie der Objekte.

Die Pflanzen entfalteten ihre Blätter dem Kosmos entgegen und bildeten damit eine riesige Oberfläche. Dadurch könne die Leichtekraft nicht nur in den Kapillaren, sondern auch auf dieser Oberfläche der Blätter ihre Wirkung gegen die Schwerkraft entfalten. Dies geschehe beispielsweise in der Verdunstung.

Der unsichtbare «Kraftleib» der Pflanze

„Jede lebende Pflanze bildet durch ihre ausgebreiteten Blätter eine Einheit mit dem Kosmos. Zugleich ist sie aber der irdischen Welt gegenüber eine in sich geschlossene Einheit. Um zu existieren, ist sie zwar auf gewisse irdische Bedingungen angewiesen, beispielsweise auf Wasser, wird aber nicht von diesen hervorgebracht. Sie verwirklicht mit Hilfe des Lichtes ihren Pflanzenleib. Dafür besitzt jede Pflanze einen eigenen «Kraftleib». «Leib» ist hier nicht im materiellen Sinne gemeint, sondern als eine unsichtbare Einheit, die in der Pflanze wirkt. Dieser Kraftleib bewirkt, dass die Pflanze Licht aufnimmt und daraus lebende Substanz erzeugt, also wächst. Er bewirkt auch, dass die Pflanze eine bestimmte Form erhält, die, wenn sie verletzt wurde, wieder hergestellt wird. Und er lässt mehr Leben als notwendig in der Pflanze entstehen, um diesen Überschuss als Samen für künftige Tochter-Pflanzen weiterzugeben.“

Die Griechen hätten den Himmel als aus zwei unterschiedlichen Schichten bestehend betrachtet. Die niedere Schicht aus Wolken und Nebel nannten sie aer. Die höhere, klare und blaue Schicht hingegen, wo das Licht des Kosmos die Atmosphäre der Erde gerade berührt, wurde aither genannt. Nach dieser oberen, klaren und blauen Schicht des Himmels habe Rudolf Steiner den Kraftleib der Pflanze „Ätherleib“ genannt.

„Leben kann … nicht aus Totem entstehen. Weder im Einzelnen noch in der Entwicklung der Erde. Das Tote kann die Bedingungen für das Leben herstellen, aber es kann das Leben nicht hervorbringen. Zwischen Tod und Leben muss die Natur einen Sprung machen.

 Das unbefangene Denken zeigt uns auch: Das Leben untersteht nicht den Gesetzen des Todes, es steht auch nicht neben oder parallel zu dem Toten, ohne Berührungspunkt mit ihm, sondern schließt das Tote ein und steht über ihm. Das Leben kommt aus dem Kosmos und ergreift die irdische tote Materie, hauptsächlich Kohlenstoffdioxid und Wasser, die dann ihre eigene irdische Gesetzmäßigkeit verliert, um die des Lebens zu übernehmen und ihm als Gefäß zu dienen.“

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1   Die vier Kräfte der Natur, im „Europäer“ Februar/März 2025

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Autor: hwludwig

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