Die verhängnisvollen Wahnvorstellungen über den Messias und die Wiederkunft Christi

Im Artikel vom 26.3.2026 wies Hermann Ploppa darauf hin, welche religiösen Wahnvorstellungen über die apokalyptische Endzeit und die Wiederkunft Jesu Christi von den einflussreichen Evangelikalen in den USA auf die Trump-Regierung übergegangen sind und ihr militärisches Handeln weitgehend impulsieren. Sie verbinden sich mit den ähnlichen Vorstellungen von dem Erscheinen des jüdischen Messias bei den herrschenden Zionisten in Israel und bestimmen den gemeinsamen totalen Kriegszug gegen den Iran und die dortigen „Heerscharen des Bösen“. Es ist sehr wichtig, sich klar zu machen, wodurch diese Wahnideen zustande kommen.

Wiederkunft Jesu als irdischer König auf den Wolken (Pinterest)

Judas

Zur Zeit Christi gab es starke jüdisch-nationalistische Kreise, deren dringendstes Bestreben es war, die römischen Besatzer aus dem Land zu treiben. Ihnen gehörte auch Judas Ischarioth an, einer der Jünger Jesu. Ihre Vorstellung war, dass der heiß erwartete Messias als irdischer König erscheinen und das Volk der Juden befreien werde.1
Judas glaubte in Jesus den Messias zu erkennen und wartete ungeduldig darauf, dass er das Schwert ergreife. Als nichts dergleichen geschah, fasste er den verzweifelten Gedanken, ihn an die Hohenpriester zu verraten, um ihn so zu zwingen, sich als der königliche Messias zu erkennen zu geben, der das Volk zu den Waffen ruft.
Das war natürlich eine materialistische Verkennung des Wesens Jesu Christi, der nirgends äußerer Gewalt das Wort geredet hat, sondern die Personifizierung der gewaltlosen reinen Liebe selbst ist.

Nun darf man nicht übersehen, dass das Evangelium deutlich schildert, woher in dieser Blindheit des Judas der Gedanke, ihn zu verraten, gekommen war: „Als das (Abend-) Mahl begann, hatte der Teufel den Gedanken, ihn zu verraten, Judas, dem Sohne Simons des Iskarioten, bereits ins Herz gelegt“ (Joh. 13,2). Jesus hatte dies im Geiste natürlich wahrgenommen und sagte, dass einer von den Jüngern ihn verraten werde, der, dem er einen eingetauchten Bissen reichen werde. Und als Judas den ihm gereichten Bissen genommen hatte, „fuhr die dunkle Macht des Satans in ihn“ (Joh. 13, 27). Also der Teufel (Luzifer) verführte Judas zum Verrat, der Satan (Ahriman) machte ihn von sich besessen und ließ ihn den Verrat sofort ausführen.

Als nach dem Verrat des Judas die Diener des Hohepriesters Jesus festnehmen wollten und Petrus mit dem Schwert einem das Ohr abschlug, wies ihn Jesus zurecht und sagte: „Stecke dein Schwert weg; denn alle, die zum Schwert greifen, werden auch durch das Schwert umkommen“ (Matthäus 26,52).
Deutlicher kann Jesus Christus nicht zeigen, dass von ihm keine Gewalt ausgehen wird. Die Gewalt, wie sie auch Judas gegen ihn selbst einleitet, geht vom Satan, von der Besessenheit durch ahrimanische Wesen aus.

Dem steht nicht ein anderes Wort Christi entgegen, das immer wieder gerne zitiert wird: „Ich bin nicht gekommen, einen billigen Frieden auf die Erde zu bringen, sondern das Schwert“ (Matthäus 10,34), denn es ist, worauf Rudolf Steiner entschieden hinweist, eine vollkommen falsche Übersetzung. Die richtige laute: „Ich bin nicht auf diese Erde herabgestiegen, um von dieser Erde wegzuwerfen den Frieden, sondern um wegzuwerfen das Schwert.“2

Nur diese Worte entsprechen auch völlig dem Wesen Christi. Jedesmal, wenn er nach der Auferstehung den Jüngern, den Repräsentanten der Menschheit, erschien, sagte er als erstes „Friede sei mit euch!“

Christus spricht also das Innere der Menschen an. In ihren Seelen, ihren Herzen, muss der Friede einziehen. Das setzt voraus, dass die versuchenden Mächte des Bösen im Innern besiegt werden. Die Kraft dazu findet der Mensch in der allgemeinen Menschenliebe, in der Liebe zu jedem Menschen, sogar zu seinen Feinden. Diese Liebe den Menschen zu bringen, ist Christus Mensch geworden. Das Wesen dieser Liebe ist göttlich und somit stärker als alle Kräfte des Bösen in ihm, die ihn zum Streit führen. Daher kommt alles darauf an, den Christus-Geist in unseren noch schwachen Geist aufzunehmen.

Streit und Krieg sind das Ergebnis dessen, dass der Krieg im eigenen Inneren gegen das Böse nicht geführt, sondern nach Außen verlagert wird. Der Friede, der durch äußere Maßnahmen hergestellt wird, ist ein Scheinfriede, der immer wieder zusammenbricht, wenn er nicht im Inneren der Menschen durch die reale Menschenliebe entsteht und ihre Gesinnung und ihr Handeln bestimmt.

Das Judentum

Es ist die große Tragik des Judentums, Jesus Christus nicht als den prophezeiten Messias erkannt zu haben. Er wird noch immer erwartet, aber nicht als göttliches Wesen, sondern als ein von Gott gesandter Mensch und irdischer König oder Anführer aus der Linie Davids. Er werde die Juden ins Heilige Land zurückführen, den Tempel in Jerusalem wiederaufbauen und die Welt von Krieg und Leid befreien. Er werde eine Ära des universellen Friedens, der Gerechtigkeit und der Erkenntnis Gottes auf Erden bringen.3

Das ist ein Abrutschen der Messias-Vorstellung in die Enge des Irdisch-Nationalen, welches das Heil des eigenen Volkes in charismatischen äußeren Taten erwartet, die aber nicht ohne Waffengewalt möglich sind. Das führt zu dem, was wir in Israel heute erleben, wo ein fanatischer Zionismus mit brutalster Gewalt ein Groß-Israel für alle Juden herstellen will, um die Ankunft des Messias vorzubereiten und vielleicht gar zu beschleunigen.

Nicht wird die Aufmerksamkeit auf das eigene Innere gerichtet und dort gegen die Kräfte des Bösen der Kampf geführt, in dem der Messias einem zu Hilfe kommen könnte, sondern er wird unreflektiert nach außen getragen im Wahn, der Andere sei der Böse, den es mit Gewalt auszuschalten gelte.

Doch „alle, die zum Schwert greifen, werden auch durch das Schwert umkommen“. Denn Waffen werden nicht aus Liebe geführt, sondern aus Hass. Sie sind das Werkzeug des Bösen und einer ahrimanischen Besessenheit, in der man nicht mehr ganz bei sich ist, weil das eigene Ich zur Seite gedrängt wird. Und im Wahn, das angeblich Böse in den Anderen mit Waffen bekämpfen zu müssen, wird man selber Teil des Bösen.

 Die Evangelikalen

Für evangelikale Christen ist Jesus Christus natürlich als Messias dagewesen. Aber seine in den Evangelien verheißene Wiederkunft wird auch materialistisch vorgestellt. Jesus werde plötzlich persönlich sichtbar und leibhaftig auf die Erde zurückkehren. Dann werde er das endgültige Urteil über alle Nationen sprechen und die Welt zur Verherrlichung der Gläubigen führen.
Aktuelle Weltereignisse (wie Kriege, Naturkatastrophen oder die Situation im Nahen Osten) werden  als „Wehen“ und Vorboten der nahen Wiederkunft gedeutet.4

Christus hat in der Tat selbst vielfach prophezeit, dass seinem Erscheinen neben Katastrophen große Kriege und furchtbare Nöte vorausgehen. Doch sie entstehen, weil der Kampf gegen das Böse nicht im Innern der Menschen stattfindet. Und wenn Christus als äußerer König im physischen Leibe vorgestellt wird, führt das zu der Erwartung, dass er auch mit äußeren irdischen Taten in die äußeren Kämpfe siegreich eingreifen werde. – Es ist ein materialistischer Wahn.

Die Wiederkunft Christi im Neuen Testament

In allen Stellen in den Evangelien und der Apokalypse des Johannes, in denen die Wiederkunft Christi prophezeit wird, heißt es, dass er in, mit oder auf „den Wolken“ kommen werde. – Kein Wesen in einem physischen, materiellen Leib kann in den Wolken erscheinen. Es muss sich also um die Erscheinung in einem übersinnlichen Leib aus einer übersinnlichen Sphäre handeln, auf die mit dem Bilde der Wolken hingedeutet wird.

In den Wolken verdichtet sich das Wasser, das Träger der übersinnlichen Lebenskräfte ist, die von oben mit dem Licht und der Wärme der Sonne immer wieder die Erde durchdringen. Ohne Wasser könnte sich kein Leben auf der Erde entfalten. Alle lebendigen Wesen sind von Lebenskräften durchdrungen, welche die toten Stoffe zu lebendigen Gestaltungen aufrufen, die sie, der Schwere entgegenwachsend, von sich aus niemals annehmen könnten. Die Lebenskräfte sind geistig und daher selbst sinnlich nicht direkt wahrnehmbar, aber mit der ständigen Bewegung des Wassers, wie sie von der Wolkenbildung am Himmel immer wieder ausgeht, sind sie verbunden, konkret zu ahnen und begrifflich zu fassen.

So sind die Wolken sichtbares Bild der unsichtbaren Sphäre der Lebenskräfte, welche die Erde umgibt und durchdringt. In dieser geistigen Sphäre wird Christus erscheinen in einem Leibe, der aus Lebenskräften gebildet ist. Er wird daher mit unseren physischen Sinnen nicht wahrnehmbar sein, sondern nur solchen Menschen, die durch ihr bisheriges Leben einen geistigen Wahrnehmungs-Sinn für die Lebenskräfte und den Lebenskräfte-Leib des Christus erworben haben.

Auch in der Himmelfahrt des Auferstandenen ist von den Wolken die Rede:
„Und als er das sagte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, eine Wolke nahm ihn auf, und sie sahen ihn nicht mehr. … da standen mit einem Male zwei Männer in weißen Gewändern bei ihnen, die sprachen: … Dieser Jesus, der vor euch in den Himmel entrückt worden ist, wird einst wiederkommen in der gleichen Art der Offenbarung, wie ihr ihn jetzt in die Himmelssphäre habt übergehen sehen.“ 6

Das Aufsteigen in die übersinnliche Sphäre der Lebenskräfte bedeutet, dass Christus für die Jünger unsichtbar wurde. Und das Wiederkommen in eben diesen übersinnlichen Lebenskräften kann also auch nicht physisch sein, wie es in dem obigen irren Bild auf den Wolken phantasiert ist, sondern es muss sich als eine übersinnliche Erscheinung darstellen, die den Menschen nahe kommt.

Das Ziel Christi

Das Entscheidende des Erdenlebens Christi im Leibe des Menschen Jesus von Nazareth war nicht seine Lehre und äußeres Wirken, sondern die Auferstehung seines Leibes vom Tode als Same für alle Menschen. Das brachte schon Paulus in den Worten zum Ausdruck: „Wenn Christus nicht auferstanden ist, dann ist all unsere Predigt und euer ganzer Glaube sinnlos.“ 5  Auferstehung bedeutet die Wiederherstellung der durch den Sündenfall immer mehr verdorbenen, dem Tod geweihten Formgestalt des physischen Leibes, die den Menschen immer weniger als Spiegel für sein Bewusstsein und die Entwicklung seines ICH hat dienen können. Die Entwicklung des ICH zu Selbstbewusstsein und Freiheit ist aber das göttliche Ziel der Erdenentwicklung für den Menschen.7  

Die entscheidende Wirkung Christi findet also im Inneren des Menschen statt. Er bringt ihm Kräfte für seine seelisch-geistige Entwicklung, die ihn befähigen, wenn er sie in Freiheit ergreift, den Sündenfall allmählich rückgängig zu machen.

So wird auch die Erscheinung Christi auf einer höheren, geistigen Stufe eine weitere Impulsierung der inneren Entwicklung des Menschen sein, die nun seinen Lebenskräfte-Leib betrifft, deren Bedeutung und Auswirkung wir uns noch gar nicht vorstellen können. Aber dies setzt eben heute voraus, dass ihm jeder aus Freiheit strebend entgegenkommt.

Der klare Hinweis Christi

Christus macht selbst deutlich, dass er nicht erneut in einem physischen Leib wiederkommen werde, indem er eindringlich vor Menschen warnt, die sich als Christus ausgeben:

„Wenn jemand zu euch spricht: Siehe, hier ist der Christus, oder siehe dort! So höret nicht darauf. Denn es werden solche auftreten, die sich Christus nennen und es doch nicht sind, und Propheten, die es nicht wirklich sind. Große Visionen werden sie hervorrufen und Wundertaten tun, um die Menschen auf falsche Wege zu bringen, womöglich auch die, in denen das höhere Sein schon lebt. Siehe, ich habe es euch vorher gesagt.
Wenn man zu euch spricht: Siehe, in der Einsamkeit der Wüste ist er, so gehet nicht dorthin. Und wenn man sagt: Siehe, in seinem Gemach ist er, so glaubt den Worten nicht. Wie der Blitz im Osten aufflammt und bis zum Westen hinüberleuchtet, so wird die Geistesankunft des Menschensohnes sein“
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Christus weist auf Menschen hin, die sich an irdischen Orten aufhalten, also physisch auf der Erde leben. Keiner von ihnen kann also der Christus sein. Und er spricht selbst davon, dass er im Geiste ankommen werde, was er mit einem leuchtenden Blitz vergleicht.

Der Priester Hans Werner Schroeder macht darauf aufmerksam, dass dieses Bild vom Blitz für die  Erscheinung eines Geistes auch im Osterbericht des Matthäus-Evangeliums verwendet wird:
„Und siehe, ein großes Erdbeben brach herein, der Engel des Herrn stieg vom Himmel hernieder …. Seine Gestalt war wie ein Blitz, und sein Gewand war leuchtend weiß wie Schnee.“ 9

Folgen

In dem Artikel „Apokalyptischer Fanatismus treibt die US-Kriegsmaschine gegen den Iran“ hat Hermann Ploppa die verhängnisvollen Folgen beschrieben, die aus den materialistischen Vorstellungen der Trump-Regierung über die Endzeit und die Wiederkunft Christi einerseits und die materialistischen Vorstellung der herrschenden Zionisten in Israel über die Ankunft des Messias anderseits gerade hervorgegangen sind, als treibende Kräfte hinter dem barbarischen Angriffskrieg gegen den Iran wirksam sind und die ganze Welt in Brand zu stecken drohen. „Beide Figuren verschmelzen zu ein und derselben politisch-strategischen Endzeitgestalt.“ 10  

Es ist klar, dass diese materialistischen Vorstellungen durch Satan (Ahriman), dem Herrn des Materialismus und des Todes, inspiriert sind und in dafür empfänglichen Seelen ihre menschenfeindlichen Wirkungen entfalten.

Von führenden kriegerischen Gestalten in den USA und Israel kann man bei ihren gnadenlosen, hasserfüllten Reden auch den Eindruck haben, als ob ahrimanische Wesen in sie gefahren sind und sie von sich besessen gemacht haben. Aus ihnen spricht nichts Menschliches mehr, geschweige denn aus ihren Taten.

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1   Vgl. Emil Bock: Cäsaren und Apostel, Stuttgart 1978, S. 195 f.
2   Rudolf Steiner: Das Matthäus-Evangelium, Dornach 1971, S. 253
3   Siehe zu „Messias-Erwartung im Judentum“ bei Google – „Weitere Fragen“
4   Siehe zu „Die Evangelikalen und die Wiederkunft Jesu“ bei Google – KI
5   Erster Korinther-Brief Kapitel 15, Vers 14
6   Apostelgeschichte 1, 9-12
7   Siehe näher: https://fassadenkratzer.de/2017/04/16/das-raetsel-der-auferstehung/
8   Matthäus 24, 23-28
9   Matthäus 28, 2-4;
Hans-Werner Schroeder: Von der Wiederkunft Christi heute,       Stuttgart 1991, S. 41

 

 

 

 

 

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Autor: hwludwig

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