Die Ärztin Dr. Daphné von Boch weist in einem alarmierenden Artikel auf die verbreiteten Falschinformationen über das „Vitamin D“ hin, das heute vielfach bei Kalkmangel und auch aus vielen anderen Gründen empfohlen und verschrieben wird. Seine Einnahme über die körpereigene Produktion des Calciums hinaus bedeute stets eine Überdosierung – mit schädlichen Folgen. Es werde allgemein eine Verkalkung gefördert, die gerade bei älteren Menschen die heute steigende Tendenz zu Schlaganfall und Demenz verstärke. Die allgemeine Verhärtung des Körpers habe ihre Auswirkungen bis in das Seelische hinein. (hl)
Dr. Daphné von Boch, MD (facebook)
Gefahren der Vitamin-D-Behandlung
Dr. med. Daphné von Boch
In den letzten Jahren hat sich ein gewisser „Vitamin-D-Rausch“ in der Medizin ausgebreitet. Alle Bereiche sind davon betroffen. Innere Medizin und Onkologie, Naturheilkunde und Anthroposophische Medizin seien hier nur exemplarisch genannt. Auch die Boulevardpresse gesellt sich diesem Reigen hinzu. Gegen Müdigkeit und chronische Infekte, gegen Krebs und Leistungsabfall: Vitamin D scheint ein Allheilmittel geworden zu sein.
Vitamin D ist jedoch kein Vitamin…
Zunächst muss man wissen, dass das sogenannte „Vitamin D“ in Wirklichkeit kein Vitamin ist. Definitionsgemäß ist ein Vitamin eine Substanz, die der Mensch nicht selbst produzieren kann, deshalb muss er sie mit seiner Nahrung von außen aufnehmen. Andernfalls entsteht ein Mangel – und aus diesem Mangel eine Erkrankung.
Als Beispiel sei das Vitamin C genannt, das sich in allem frischen Gemüse und Obst befindet. Als früher die Matrosen monatelang auf hoher See waren und nichts Frisches zu sich nehmen konnten, bekamen sie Skorbut, einen akuten Vitamin-C-Mangel, der mit gehäuften Blutungen und Ausfallen der Zähne einhergeht. Das Essen von Frischem heilte dann diese Erkrankung vollständig aus.
Anfangs dachte man, Vitamin D sei ein Vitamin. Später fand die Medizin heraus, dass es vom Organismus selber produziert wird. Eine vom Organismus selbst produzierte Substanz mit Wirkung auf den Stoffwechsel ist aber definitionsgemäß ein Hormon und kein Vitamin. Vitamin D ist also ein Hormon, wie Kortison und Östrogen. Folglich erhielt diese Substanz ihren wirklichen Namen: D-Hormon. Dieser richtige Name blieb aber sogar den meisten Ärzten unbekannt. Der neue abstraktere chemische Name für Vitamin D, „Cholecalciferol“, verdeckt vollständig das Wesentliche: Dass es sich hier um ein Hormon handelt, eine Substanz, die der Organismus selber produziert. Dabei hat diese Tatsache weitreichende Konsequenzen: Da man Hormone in aller Regel in ausreichender Menge selber produziert, ist jede zusätzliche „prophylaktische“ Einnahme eine Überdosierung. Und jede Überdosierung erzeugt eine kleinere oder größere Schädigung. Ein warnendes Beispiel hierfür ist die prophylaktische Verabreichung von Östrogen nach den Wechseljahren, die, wie später erkannt wurde, Brustkrebs fördert. Wegen der Wichtigkeit, die Dinge beim Namen zu nennen, wird in diesem Artikel „Vitamin D“ von nun an D-Hormon genannt.
Wo im Körper wird das D-Hormon produziert?
Unser Organismus produziert nicht das D-Hormon selbst, sondern das Prohormon D. Dies geschieht in der Leber im Zusammenspiel mit der Niere. Das Prohormon D gelangt auf die Haut, wo es vom Licht beschienen wird. Dies ist das Entscheidende, wodurch das Prohormon D in das aktive D-Hormon umgewandelt wird. Man müsste sagen, das wirkliche Vitamin, das von außen kommen muss und das wir nicht selber erzeugen können, ist das Licht.
Was bewirkt nun dieses durch Licht aktivierte D-Hormon?
Die Funktion des D-Hormons
Wir nehmen Calcium durch Milch und Milchprodukte in uns auf. Das aktivierte D-Hormon bewirkt, dass dieses Calcium dann im Darm resorbiert wird und in die Blutbahn gelangt. Von dort aus geht ein Teil des Calciums in die Knochen und macht sie hart. So können die Knochen das Gewicht des Körpers tragen, ohne sich zu biegen.
Der Körper schützt sich jedoch vor einer übermäßigen Aufnahme von Kalk: Nur ca. 30% von dem gesamten mit der Nahrung eingenommenen Kalk wird im Darm tatsächlich resorbiert. Die überschüssigen 70% werden mit dem Stuhl ausgeschieden. Das ist der gesunde Zustand bei einer ausreichenden Produktion des D-Hormons.
Was aber ist eine ausreichende Produktion?
Der sogenannte „normale“ Wert von D-Hormon im Blut
Labore arbeiten mit einem Normwert von über 30 ng/ml. Vergleicht man aber die Werte vieler Menschen, wird deutlich, dass kaum jemand diesen Wert erreicht. Schon im Sommer ist der Wert von 30 ng/ml schwer zu erreichen. Während der Wintermonate ist er aufgrund des geringeren Sonnenlichtes umso niedriger, oft um 5-10 ng/ml, was dann eher als normaler Wert gelten kann.
Wenn aber der angeblich normale Wert von über 30 ng/ml von kaum jemandem erreicht wird, kann es kein „normaler“ Wert sein.
Es ist dringend notwendig, eine statistische Bestimmung des normalen Wertes von D-Hormon nachzuholen. Auch der Unterschied der Werte im Sommer und Winter muss berücksichtigt werden. Diese sind so verschieden wie der normale Wert von Östrogen bei Frauen vor den Wechseljahren zu dem Wert nach den Wechseljahren. Selbstverständlich ist letzterer niedriger.
Es scheint sich hier um eine ähnliche Situation wie bei dem angeblich „normalen“ Wert von Cholesterin zu handeln. Offiziell liegt seit den 1990er Jahren der Normalwert von Cholesterin unter 200 mg/dl (5,2 mmol). Die meisten gesunden Menschen haben aber einen Cholesterin-Wert von 250 bis 280 mg/dl (6,5-7,3 mmol), also deutlich höher als dieser offizielle Normalwert – und folglich „pathologisch“. Der frühere, vor den 1990er Jahren geltende Normalwert von unter 300 mg/dl (7,8 mmol) passte wirklich zur Realität. Inzwischen sind viele Publikationen erschienen, die auf diese Tatsache aufmerksam machen, beispielsweise Die Cholesterin-Lüge von Hartenbach (1) oder Fette Irrtümer von Colombani (2).
Schädigungen durch das D-Hormon
Am deutlichsten sind Schädigungen durch das D-Hormon an extremen Fällen zu beobachten – an Vergiftungsfällen. Diese Tatsache ist spätestens seit den 1960er Jahren bekannt. Damals wurden die Neugeborenen bis zum zweiten Lebensjahr mit D-Hormon als Rachitis-Prophylaxe „gestoßen“. Ein sogenannter „Vitamin-D-Stoß“ betrug eine einmalige Verabreichung des 400-fachen der empfohlenen täglichen Dosierung, die 500 I.E. (Internationale Einheit) pro Tag beträgt. Somit wurden 200 000 I.E. auf einmal verabreicht. Dies wurde dann im Abstand von drei bis sechs Monaten wiederholt, und zwar bis zu sechsmal (!) insgesamt in den ersten beiden Lebensjahren.
Es gab bei dieser Behandlung mehrere Todesfälle sehr kleiner Kinder. Die Kinderleichen wurden untersucht, und es fand sich eine ausgeprägte Verkalkung der Gefäße.(3) Das ist kein Wunder, denn das D-Hormon fördert die Aufnahme von Calcium ins Blut. Besonders die Gefäße von Herz und Lunge waren betroffen. Der Austausch der Gase in der Lunge war allmählich nicht mehr möglich, und das Kind erstickte langsam. Leider wurde dieses Ergebnis nur zögerlich zur Kenntnis genommen. Die „Vitamin-D-Stöße“ wurden letztlich doch aufgegeben – aber lediglich die Stöße, nicht die Verabreichung von D-Hormon selbst.
Verursachen auch kleinere D-Hormon-Dosierungen Schädigungen?
Calcium als Substanz hat die Eigenschaft, sich abzulagern, was man an Tropfsteinhöhlen oder im Kleinen am Rand des Wasserkochers beobachten kann. Im Körper lagert sich das Calcium aus dem Blut an den Gefäßwänden ab, vor allem da, wo bereits eine Unebenheit, eine Plaque, vorhanden ist. Sind aber schon Kinder, die keine Plaque haben, durch Überdosierung des D-Hormons an schweren Gefäßverkalkungen gestorben, dann können wir annehmen, dass die Einnahme von D-Hormon in jedem Alter eine Verkalkung der Gefäße fördert. Auch kleine, aber häufig eingenommene Dosierungen begünstigen somit bei jedem Menschen, wenn sie auch nicht zum Tode führen, so doch langsam eine Verkalkung der Gefäße. Gerade bei älteren Menschen, aber eigentlich in jedem Alter, wird damit eine allgemeine Verkalkung gefördert. Diese Verkalkung ist gerade bei den filigranen Gehirngefäßen mit ihrem winzigen Durchmesser verheerend – und verstärkt nicht zuletzt die heute steigende Tendenz zu Schlaganfall und Demenz.
Gleicherweise liegt nahe, dass schon bei einer geringfügigen Gefäßverkalkung des Gehirns andere Schädigungen auftreten, die nicht in einer sichtbaren körperlichen Erkrankung erscheinen, sondern „nur“ als eine seelische Tendenz, die in Richtung einer allgemeinen Erstarrung geht. Davon sind letztlich alle betroffen, die regelmäßig D-Hormon in kleiner Dosierung einnehmen – auch die Kinder.
Wie sehen diese „kleinen“ Schädigungen aus?
Auch die „kleinen“ Schädigungen des D-Hormons sind bei Kindern, die mit hohen Dosierungen behandelt worden sind, am einfachsten zu beobachten. Wilhelm zur Linden, einer der ersten anthroposophischen Kinderärzte, konnte viele solcher Kinder wahrnehmen. Er beschrieb, was auch andere Ärzte bei mit „Vitamin-D-Stößen“ behandelten Kindern „geistige Schädigungen“ oder „Hemmungen der geistigen Entwicklung“ nannten (Cook, Beuren, Taussig).(3) Zur Linden selbst charakterisiert diese geistigen Schädigungen als eine nachlassende schulische Leistung, Interesselosigkeit, Einengung des geistigen Horizontes auf rein technische Interessen und weiter, als eine „Vergröberung des Skelettes bei gleichzeitiger Schrumpfung der Bewusstseins-Weite und Hem- mung der geistigen Beweglichkeit“.(3) Kurz: eine allgemeine seelische Verhärtung. Er vermutet, dass das D-Hormon somit eine Verminderung sogar der Bildungsfähigkeit überhaupt verursacht. Er schreibt: „Alle derartigen Bewusstseins-Schädigungen scheinen mir, aufs Ganze gesehen, weit bedenklicher als die meist bald überwundene Rachitis, denn sie verändern die ganze Persönlichkeit des heranwachsenden Menschen im Sinne einer Frühsklerose und deren Folgezuständen in der intellektuellen Entwicklung, den Gefühls- und Willenssphären.“ (3) Er schließt diesen 1967 geschriebenen Artikel mit der berechtigten Frage, ob diese mit D-Hormon nur prophylaktisch behandelten Säuglinge auf den Weg der Verkalkung gebracht und die Scharen der an Demenz erkrankten alten Menschen in Zukunft deutlich vergrößern werden. Davor stehen wir heute, mehr als 50 Jahre später.
Ebenfalls entscheidend ist hier, dass zur Linden diese subtilen Veränderungen der psychischen Eigenschaften auch bei Kindern festgestellt hat, die über viele Monate eine D-Hormon-Behandlung in täglichen kleinen Dosierungen von 500 bis 1000 I.E. bekommen haben. (3)
Im Übrigen können diese Schäden sogar schon bei Neugeborenen beobachtet werden, wenn deren Mütter in der Schwangerschaft längere Zeit hindurch täglich etwa 2000 I.E. D-Hormon erhielten (zur Linden, Cook). (3)
Die Medizin muss dringend klare Ergebnisse über die Langzeitwirkung von niedrig dosiertem D-Hormon erbringen, nicht nur über die akute Überdosierung.
Wie sieht ein wirklicher Mangel an D-Hormon aus?
Durch das D-Hormon wird Calcium im Darm aufgenommen. Deshalb wird bei einem D-Hormon-Mangel ein Calcium-Mangel die Folge sein. Der mögliche Mangel an Calcium ist nicht bei Erwachsenen, sondern kann bei Neugeborenen und Kleinkindern bis zum zweiten Lebensjahr ein Problem werden. Ihre Knochen bestehen noch aus Knorpel und sind deshalb weich. Das ist für das Wachstum notwendig. Bei allzu weichen Knochen aber kann der Hinterkopf im Liegen verflachen und die Beine können sich biegen beim Versuch zu stehen und zu gehen. Dies ist die Rachitis – eine durch Calciummangel bedingte Verformung der Knochen.
Rachitis ist eine Erkrankung, die bei Erwachsenen äußerst selten vorkommt. Sie heißt dann Osteomalazie oder Rachitis des Erwachsenen. Normalerweise haben Erwachsene – im Gegensatz zu Kindern – Knochen, die schon sehr stark mit Kalk durchsetzt sind. Diese relativ hohe Menge an Calcium müsste sich zunächst fast vollständig auflösen, um eine Erweichung der Knochen zu bewirken. Das ist unwahrscheinlich.
Im Gegenteil: Man wusste früher, dass der ältere Mensch sich eher hüten muss vor Calcium, weil er schon von sich aus eine Tendenz zur „Verkalkung“ hat. Das bedeutet nicht, dass ältere Menschen auf Milch oder Milchprodukte verzichten sollen, denn überschüssiges Calcium wird, wie oben erläutert, durch den Stuhl wieder ausgeschieden. Es bedeutet aber, dass kein zusätzliches D-Hormon eingenommen werden sollte, das den Körper zwingt, mehr Calcium aufzunehmen als für ihn gut ist.
Wer nimmt heute alles D-Hormon ein?
Das D-Hormon wird für Neugeborene ab der zweiten Lebenswoche bis zum zweiten Lebensjahr als das Mittel der Wahl zur Rachitis-Prophylaxe betrachtet, ohne jede Erkrankung, in einer empfohlenen „kleinen“ Dosierung von täglich 500 I.E. Diese Empfehlung wird heute flächendeckend bei fast allen Säuglingen durchgeführt. Ab dem zweiten Lebensjahr wird die eigene Erzeugung von D-Hormon als ausreichend für das ganze Jahr beurteilt, wenn Hände und Gesicht von Kindern im Frühjahr und im Sommer zwei Stunden pro Woche der Sonne ausgesetzt werden. (4)
Außerdem wird das D-Hormon heute älteren Menschen gegeben, meistens Frauen, als Prophylaxe und Therapie der Osteoporose (500 bzw. 1000 I.E. pro Tag).
Zusätzlich nehmen heute all die vielen Menschen D-Hormon ein, die glauben, von diesem profitieren zu können. Viele nehmen von sich aus oder auf Verordnung des Arztes D-Hormon wegen aller erdenklichen Beschwerden (Müdigkeit, chronische Infekte, Krebs, Leistungsabfall usw.). Es wird aber auch ohne jegliche Beschwerden eingenommen, nur weil der Blutwert „zu niedrig“ ist.
D-Hormon bei der Rachitis-Prophylaxe und -Therapie
Aus allem hier Beschriebenen sollte ersichtlich sein, dass das D-Hormon zu einer nicht erwünschten Verhärtung des ganzen Kindes und später Erwachsenen führt. Das D-Hormon zwingt den Organismus, mehr Calcium aufzunehmen als für ihn gut ist. Ein potenziertes Heilmittel aus der Anthroposophischen Medizin hingegen stimuliert die Eigenproduktion von Prohormon D, ohne die gesunde Menge zu überschreiten.
Die prophylaktische Behandlung besteht in der Verabreichung von Apatit/Phosphorus comp. K (Weleda): morgens nüchtern drei Tropfen in etwas Tee bei Säuglingen unter acht Monaten, bzw. fünf Tropfen bei Säuglingen über acht Monaten. Abends gibt man dann den Säuglingen unabhängig vom Alter vor dem Essen eine Messerspitze Conchae/Quercus comp. K (Weleda). Diese Prophylaxe fängt einen Monat nach der Geburt an und wird bis zum zweiten Lebensjahr durchgeführt. Sie ist besonders in lichtarmen Ländern während der sechs Herbst- und Wintermonate zu empfehlen. Ein halbstündiger Spaziergang im Kinderwagen mit indirekter Lichteinstrahlung drei- bis viermal in der Woche ergänzt die Prophylaxe.
Die Therapie ist nur nötig, wenn wirklich Krankheitszeichen, also Anzeichen weicher Knochen, zu sehen sind. Der Beginn ist hier eine Verflachung des Hinterkopfes. Selbst bei der Therapie der Rachitis ist das D-Hormon wegen seiner allgemein verhärtenden Wirkung nicht förderlich. Die wirkliche Therapie besteht in einer Verstärkung der prophylaktischen Behandlung: eine zweite Dosis von Apatit/Phoshorus vor dem Mittagessen, und eine zweite von Conchae/Quercus vor dem Zubettgehen. Diese Behandlung wird sechs Monate durchgeführt.
Tritt in sechs Monaten keine deutliche Besserung im Sinne einer Normalisierung beispielsweise des Hinterkopfes ein, kann stattdessen einmal täglich Lebertran gegeben werden.(3) Heute wird Lebertran zumeist leider künstlich verarbeitet, wodurch das natürliche D-Hormon verloren geht und synthetisches zugeführt werden muss. Bleibt aber der Lebertran naturbelassen, ist das darin enthaltene natürliche D-Hormon harmonisch mit Vitamin A verbunden. Vitamin A ist ein Gegenspieler des D-Hormons und hebt dessen Nebenwirkungen im Großen und Ganzen auf. Dieses Neutralisieren entsteht jedoch nur, wenn beide Substanzen zusammen in der Leber des Fisches aufgebaut wurden. So sind sie natürlich verbunden. Dies ist nicht gegeben, wenn beide Substanzen synthetisch hergestellt und dem Öl nur zugefügt werden. Die Gabe von naturbelassenem Lebertran wird einmal täglich vier Wochen lang durchgeführt. Sollte dieser Lebertran nicht erhältlich sein, ist eine Verlängerung der obigen Therapie notwendig sowie ein vierwöchiger Besuch im Sommer in den Bergen (über 1000 m), wo das UV-Licht, auf das es ankommt, stärker ist.
D-Hormon bei Osteoporose
Entgegen aller gängigen Meinungen beruht die Osteoporose nicht auf einem Mangel an D-Hormon oder Calcium!(5)
Das zentrale Problem bei der Osteoporose-Erkrankung ist die Brüchigkeit der Knochen.
Wir haben gesehen, dass Kalk hart macht, also auch die Knochen verhärtet. Dadurch werden sie fest und können das Gewicht des Körpers tragen, ohne sich zu biegen. Harte Substanzen sind jedoch starr, nicht elastisch, und somit brüchig. Fällt eine harte Substanz wie Glas auf einen Steinboden, zerbricht sie. Das geschieht bei einem Klumpen feuchten Lehms nicht. Hartes ist fest und daher brüchig. Dies ist ein Gesetz ohne Ausnahme. Mit Calcium machen wir die Knochen härter, und gerade dadurch – brüchiger! Durch den Kalk werden die Knochen der Osteoporose-Kranken eigentlich noch brüchiger als sie schon sind. Es verschlimmert die Krankheit. Deshalb ist die konventionelle Therapie von Osteoporose nicht wirklich effektiv; die Knochen brechen weiter „trotz“ Therapie.
Was fehlt dann den Osteoporose-Kranken? Nicht Kalk, sondern Knorpel. Es fehlt die elastische Knorpelmatrix, die den ganzen Knochen durchzieht. Dieser Knorpel ist die Basis, wo der Kalk sich ablagern kann. Bei älteren Menschen fehlt überhaupt Knorpel, nicht nur der Länge nach in den langen Röhrenknochen, sondern auch an den Knochenenden, in den Gelenken. Das nennt man Arthrose. Osteoporose ist eine Arthrose des Knochenschachtes.
Was ist dann die Therapie für beide? Nicht Kalk, sondern Knorpel.
Röntgenaufnahmen zeigen indessen einen Kalkmangel, daher der Name „Osteoporose“: Poröse Knochen, mit Löchern durchsetzt. Das ist nur deshalb so, weil der Knorpel für Röntgenstrahlen fast unsichtbar ist. Wäre der Knorpel sichtbar, würde man bemerken, dass im Knochen noch deutlich weniger Knorpel ist als Kalk. Kalk fehlt nur sekundär, weil er nicht genügend Knorpelfläche als Grundlage hat, um daran haften zu können. Da man jedoch zu wenig Kalk sieht und nicht an den (unsichtbaren) Knorpel denkt, kommt es zum Fehlurteil: Es fehle Kalk, dieser müsse ersetzt werden.
Bei der Osteoporose fehlt also Knorpel. Der wichtigste Bestandteil von Knorpel ist Silicium. Das organische Silicium, nicht das anorganische, kann das 330-fache seines eigenen Gewichts an Wasser binden. Damit bildet es eine Substanz, die nicht flüssig und nicht fest ist, sondern etwas dazwischen: gelatinös/elastisch. Deshalb sollte man prophylaktisch auf eine kieselsäurereiche Ernährung achten mit Hirse, Gerste und Gelatine. Früher hat man Knochen ausgekocht, um den Knorpel daraus zu lösen. Diese feine Substanz nennt man Gelatine. Man hat diese jeder Suppe beigemischt oder Sülze, auf französisch Aspic, daraus bereitet. Heute gibt es auch fertige Gelatine im Bioladen. Man kann auch Knorpel von Tieren einnehmen, die fast nur Knorpel bilden bei äußerst geringer Calcium-Ablagerung in ihren Knochen. Sie haben eine außerordentlich starke Knorpelbildungskraft. Das sind die sogenannten „Knorpelfische“. Ein wichtiger Repräsentant dieser Familie ist der Haifisch. Haifischknorpel-Kapseln sind eine gute Prophylaxe, beispielsweise von Allcura, einmal täglich eine Kapsel. Ist die Osteoporose bereits ausgebrochen, sind also schon Beschwerden da, sollte man zweimal täglich eine Kapsel einnehmen, morgens und abends.
Zusätzlich sind dann Injektionen von potenziertem Knorpel der Bandscheibe notwendig (Disci comp. Cum Argento von Wala). Dieses wird zweimal wöchentlich als Injektion unter die Haut in den Rücken, nahe der schmerzhaften Stelle, gespritzt. Wenn die Packung leer ist, wechselt man auf Disci comp. cum Stanno, und dann wieder cum Argento, usw.
Dies sollte ein bis zwei Jahre durchgeführt werden, zusammen mit den Haifischknorpelkapseln. Übrigens wird auch Arthrose in dieser Weise behandelt, nur mit Cartilago comp. statt Disci comp.
Nichts fördert den Aufbau neuer Knorpelsubstanz so stark wie eine regelmäßige leichte Belastung des Bewegungsapparates, indem man drei bis viermal wöchentlich dreißig Minuten zu Fuß geht. Ohne Sonnencreme wird dabei die Eigenproduktion des D-Hormons zusätzlich angeregt.
Hilft D-Hormon wirklich bei allen anderen Beschwerden?
Stehen Müdigkeit, immer wieder auftretende Infekte und Leistungsschwäche wirklich mit D-Hormon in Zusammenhang? Drei näherliegende Gründe für diese heute epidemisch auftretenden Beschwerden wären Schlafmangel, Bewegungsmangel und ein Mangel an Nahrungsmitteln, die wirklich Leben enthalten (siehe Otto Wolff, Was essen wir eigentlich?).(6) Auch die tägliche stundenlange Benutzung elektronischer Medien muss hier erwähnt werden.
Leider ist es typisch für den Menschen, lieber ein paar Tabletten einzunehmen als festgefahrene, lieb gewordene schlechte Gewohnheiten zu verändern.
Warum hilft jedoch das D-Hormon bei solchen Beschwerden? Wir sahen, dass das D-Hormon durch die Verkalkung eine Tendenz zu Starrheit und Stumpfheit er zeugt. Könnte es sein, dass dann die Beschwerden selbst nicht weniger werden, sondern nur weniger empfunden werden?
Die Behandlung von Schäden durch D-Hormon
Es ist einfacher, einen weichen, unreifen Zustand zur Reifung und Verhärtung zu bringen als einen verfrühten Verhärtungs- und Alterungsprozess rückgängig zu machen. Trotzdem ist Silicium unter anderem für seine antagonistische Wirkung zum Calcium bekannt. Daher kommt der bezeichnende Name eines alten Medikaments, „Sklerosol“, das aus reinem Siliciumdioxid bestand. Man nutzte dieses früher gegen jede Form von Sklerose. Sikapur® ist ein heutiges Präparat, das Siliciumdioxid in kolloidaler Form enthält, d.h. fein verteilt in Wasser, wodurch es vom Organismus leicht aufzunehmen ist. Erwachsene nehmen einen Esslöffel Sikapur® morgens nüchtern mindestens ein Jahr lang und danach als Kur zweimal jährlich drei Monate. Auch Kinder, die über längere Zeit D-Hormon bekommen haben, können damit behandelt werden. Wenn sie unter fünf Jahre alt sind, ist ein Teelöffel ausreichend. Kinder werden nur sechs Monate behandelt. Eine globale Verhärtungstendenz?
Es gibt ganze Länder, wie die USA und Kanada, in denen seit den 1950er Jahren der Milch per Gesetz D-Hormon zugesetzt werden muss (400-900 I.E. pro Liter). Diese Tendenz fängt an, sich über die Welt auszubreiten, z.B. auch schon in manchen Ländern Südamerikas. Was bedeutet das nun für ein ganzes Volk? Dass der Mensch gezwungen wird, dieses Hormon mit der Milch aufzunehmen, hat sehr wohl nachvollziehbare Folgen. Um obiges Zitat zur Lindens zu wiederholen: die „Schrumpfung der Bewusstseins-Weite und die Hemmung der geistigen Beweglichkeit der Menschen“.
Rudolf Steiner berichtete schon 1919, nach dem Ersten Weltkrieg, über dieses moderne menschliche Phänomen. Damals war zwar das D-Hormon noch nicht einmal bekannt. Trotzdem hatte die Verhärtungstendenz der Menschen bereits angefangen. Wie diese Verhärtungstendenz aussieht, beschreibt er in einem Brief nach einem öffentlichen Vortrag über das dringendste Problem auch unserer Zeit, über neue Wege im weltweiten sozialen Miteinander: „Dabei dieser Mangel an ´Verständnisfähigkeit´ bei den Leuten. Wichtiges, was ich will, hören sie einfach gar nicht. Es ist, als ob sie nur fähig wären, Dinge zu verstehen, an die sie bis zur Satzgestaltung seit 30 Jahren gewöhnt sind. Verhärtete Gehirne (kursiv D.B.), gelähmter Ätherleib, leerer Astralleib, völlig dumpfes Ich. Das ist die Signatur der Menschen der Gegenwart.“(7)
Dieser Unfähigkeit, unsichtbare Zwischentöne zu begreifen, d.h. geistige Gedanken, dieser schon damals bestehenden Tendenz wird heute durch das D-Hormon ein deutlicher Vorschub geleistet.
Die hier vorgebrachten Gedanken möchten als Weckruf dienen.
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Literatur
1. Hartenbach, Walter, Die Cholesterin-Lüge. Das Märchen vom „bösen“ Cholesterin. Herbig, München 2012.
2. Colombani, Paolo, Fette Irrtümer. Ernährungsmythen entlarvt. Orell Füssli, Zürich 2010.
3. zur Linden, Wilhelm, Sind Vigantol-Schäden heilbar? Erfahrungsheilkunde, Band XVI, Heft 2, 1967, S. 1-7. (Unter Bezugnahme auf Ergebnisse von A. Beuren, vorgetragen auf dem ärztlichen Kongress vom 6.-8.Mai 1966 in Bremen.)
4. Gesenhues, Stefan (Hg), Praxisleitfaden Allgemeinmedizin. Elsevier, München 2017, S. 889.
5. Horn, Florian, Biochemie des Menschen. Thieme, Stuttgart/New York 2012, S. 393.
6.Wolff, Otto, Was essen wir eigentlich? Freies Geistesleben, Stuttgart 2012.
7. Meyer, Thomas (Hg), Helmuth von Moltke. Perseus-Verlag Basel 2007, Band 2, S. 240.
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Quelle:
„Ein Nachrichtenblatt“ vom 22.2.2026 (einnachrichtenblatt.org), übernommen mit freundlicher Erlaubnis der Autorin.
Die erste Fassung dieses Artikels erschien in „Der Europäer“, Perseus Verlag, Basel, Oktober 2018, S. 10-14
Zur Autorin:
Daphné von Boch ist 1958 in Canada geboren und lebt in Basel. Sie war als anthroposophische Ärztin und Psychologin in zwei anthroposophischen Rehabilitationskliniken für Allgemeinmedizin und Psychosomatik tätig, die letzten Jahre als leitende Ärztin. Seit 2018 arbeitet sie in einer eigenen Privatpraxis in Deutschland. Sie bildet Ärzte in anthroposophischer Medizin im Osten und in Fern-Ost aus und gibt die Bücher des anthroposophischen Arztes Dr. Otto Wolff neu heraus.