Ein Video von Prof. Stefan Homburg dokumentiert und kommentiert den Ausschnitt eines Vortrages des früheren Leiters des Gesundheitsamts der Stadt Frankfurt, Prof. Dr. René Gottschalk, den dieser auf Einladung der Landesärztekammer Hessen am 4. November 2025 gehalten hat. Darin kritisiert er scharf die Corona-Maßnahmen, an deren Durchsetzung er damals selbst beteiligt war. Ich bringe nachfolgend mein Transkript des Videos Prof. Homburgs. „Das Originalvideo (des dokumentierten Vortrages) ist leider nicht mehr erreichbar, aus welchen Gründen auch immer …“, bemerkt Prof. Homburg. Daraus resultieren gewisse Ton- und Bildschwächen. (hl)
Bundesärztekammerpräsident Dr. med. Klaus Reinhardt überreichte Prof. Dr. Dr. med. René Gottschalk die Paracelsus-Medaille. Foto: Lucas Reus
Prof. Dr. Stefan Homburg:
Vortrag Prof. Dr. René Gottschalk
Heute zeige ich Ihnen Auszüge eines atemberaubenden Vortrags, der nicht in Vergessenheit geraten darf. Das Besondere: der Referent lässt kein gutes Haar an den Corona-Maßnahmen, obwohl er selbst verantwortlich daran mitgewirkt hat. Während es früher einen scheinbaren Gegensatz gab zwischen jenen, die Lockdowns, Ausgangssperren und Quarantänen verhängten und jenen, die darunter litten, zeigt dieser Vortrag, dass auch Lockdown-Manager, die von Demonstranten natürlich als Gegner wahrgenommen wurden, die Dinge nicht unbedingt so sahen, wie sie von den meisten Medien dargestellt wurden.
Konkret geht es um René Gottschalk. Er ist Medizinprofessor, Facharzt für Infektiologie und öffentliche Gesundheit, und er war bis zu seiner Pensionierung im Sommer 2021 als leitender Medizinal-Direktor Chef des Gesundheitsamts der Stadt Frankfurt. Vorletztes Jahr erhielt er vom deutschen Ärztetag die Paracelsus-Medaille für seine herausragenden Leistungen.
Professor Gottschalk hielt den Vortrag im Rahmen der Bad Nauheimer Gespräche. Dabei handelt es sich um ein 50 Jahre altes Veranstaltungs-Format, das vorwiegend Gesundheitsthemen behandelt.
Der Vortrag fand statt auf Einladung der Landesärztekammer Hessen und zwar am 4. November 2025 in deren Amtsräumen in Frankfurt. – Los geht’s.
– Ausschnitt aus dem Vortrags-Video wird eingeblendet -:
„Bilder mit Leichen, die nicht transportiert werden können und so weiter. Und damals, wir hatten einen sehr sehr guten, interessierten Gesundheitsminister hier in Hessen, Kai Klose, wir haben besprochen, wir sollten einfach ein Team von Fachleuten nach Bergamo schicken, um zu klären, was da los ist. Er hat das auch gesagt, sollte man machen, und das ist insbesondere aus bayerischer Seite verhindert worden. Also gab’s zum ersten Mal diese Gesundheitsminister-Konferenz, die dann auf einmal ein politisches Gremium war und nicht mehr der Bundestag, und es wurde verhindert. Der Grund dafür, ich weiß nicht, ob Sie den kennen, ist: Norditalien, ist katholisch, es gibt keine Krematorien, und deswegen haben die Lastwagen da gestanden, insbesondere deswegen, weil viele alte, ältere Menschen betroffen waren. Das ist der Grund gewesen, nicht weil es so unendlich viele Tote gegeben hat. Aber dazu werde ich noch was sagen.
Ist Covid-19 von Himmel gefallen mit seinen ganzen Daten? Wir haben ja schon gehört, es wurden praktisch keine Daten erhoben. Doch, es wurden Daten erhoben, aber denen wurde nicht geglaubt. Hendrik Streeck hat in Heinsberg sehr gute Untersuchungen gemacht und hat alles Epidemiologisches rausgefunden, was bis heute gilt.
Und hier (Bild wird eingeblendet), das ist die Princess Diamond, ein Kreuzfahrtschiff, das festgesetzt wurde, weil da waren viele ältere Menschen auch an Bord, vom 5. bis 19. Februar in Japan lag, das an der Kette lag, da Covid-19 ausgebrochen ist. Das Ding hatte 3.700 Passagiere und Mitglieder und davon wurden insgesamt 712 Personen positiv getestet. Ja, nicht krank alle, aber ein großer Teil, 20% wurden positiv getestet. Es ist ein Unterschied, ob ich positiv getestet bin oder krank bin. Und davon sind ältere Menschen gewesen, ist etwa 1% gestorben, auf einem Inkubator, also wo sie dem Virus gar nicht ausweichen können. Das ist sehr interessant.
Robert Habeck z.B. hat gesagt, die STIKO möge endlich mal in die Puschen kommen. Originalzitat. Und Söder hat der European Medicine Agency (EMA) attestiert, das seien die Profis, und die STIKO, das sind ja nur ehrenamtliche Mitarbeiter. Ja, gut. Also, die Welt beneidet uns um die STIKO. Dieser Mensch weiß nicht den Unterschied zwischen Effektivität und Effizienz, denn die EMA testet nur die Effektivität und das nur mit den Daten der Hersteller. Eine Melderate – wir haben also positive Labor- Befunde gehabt, und das wurde dann als Inzidenz bezeichnet. Ich will Sie jetzt nicht mit Epidemiologie langweilen, aber da eine Inzidenz ist eine ganz andere Größe. Wir haben niemals eine Inzidenz bestimmt. Tegnell in Schweden durchaus, der hat das gemacht.
– Graphik des RKI, Phasen der Infektionsbekämpfung, wird eingeblendet –
Das ist RKI, Originalzitat RKI im Pandemieplan. Und was war während der COVID-19-Pandemie? Da hinten sitzen Mitarbeiter aus dem Gesundheitsamt, Maria Boriser. Wir haben die ganze Zeit auf politischen Druck Containment-Phase (Eindämmungs-Phase)machen müssen.
Fazit: Grundrechtseinschränkungen wurden auf Basis falscher Annahmen initiiert.
Und das hatten wir schon bei der allerersten (?)-diskussion hier mit diesem hervorragenden Juristen, der das dargelegt hat. Für eigentlich alle der angeordneten Maßnahmen gab es keine Effizienz: Ausgangssperren, Lockdown so weiter. – Völliger Quatsch.“
Fortsetzung Prof. Homburg:
Gehen wir die zentralen Aussagen kurz durch, weil so viel darin steckt.
Erstens kritisiert Gottschalk die irreführenden Bilder von Bergamo, die Sie hier noch einmal sehen, dass diese Bilder fehlinterpretiert bzw. bewusst aufgebauscht wurden, um Folgebereitschaft herzustellen. Das ist seit langem bekannt. Vollkommen neu war mir aber der Plan, eine deutsche Delegation nach Bergamo zu schicken. Dass Bayern dies verhinderte, passt ins Bild, weil die Erhebung nützlicher Daten von Anfang an sabotiert wurde. Zunächst mussten Corona-Tote verbrannt, statt begraben werden, weil sie angeblich so gefährlich waren. Danach wurden Obduktionen für unstatthaft erklärt, und als Höhepunkt verhinderte die Politik 2021 den Eintrag des Impfstatus auf dem Totenschein. In den Jahren 2021 und 2022 verstarben in Deutschland rund 2 Millionen Menschen. Wäre von jedem der Impfstatus bekannt, dann gäbe es eine gute Grundlage zu beurteilen, ob die neuartigen Impfstoffe im Saldo eher nutzten oder eher schadeten. – Aber das wollte die Politik lieber nicht wissen.
Das zweite Highlight des Vortrags betrifft die Diamond Princess, die im Februar 2020 unter Quarantäne gestellt wurde. Der Fall fand damals weltweit Beachtung, wurde dann aber routiniert verdrängt, weil er die Vorstellung einer Pandemie frühzeitig widerlegte. An Bord des Schiffes befanden sich 3.711 Menschen, zum größten Teil ältere Passagiere. Im gesamten Februar, da sie zwangsweise beisammen hockten, verstarben ganze sieben Personen. Das klingt wenig, wird aber noch kurioser, wenn man kurz ausrechnet, wie viele Todesfälle rein statistisch zu erwarten wären, also ohne einen Virusausbruch.
Die erstaunliche Antwort: Angesichts der in groben Zügen bekannten Altersstruktur waren monatlich 12 bis 18 Sterbefälle zu erwarten. Diese Tatsache weist in dieselbe Richtung wie der Umstand, dass Deutschlands Corona-Tote im Mittel 83 Jahre alt waren.
Beide Befunde stützen die Hypothese, dass an oder mit Corona vor allem Menschen verstarben, die ohne das neue Virus an einer anderen Erkältung oder aus sonstigen Gründen verstorben wären.
Als quasi Laborexperiment reichten die Daten der Diamond Princess aus, um die Vorstellung einer gefährlichen Pandemie schon im Februar 2020 ad acta zu legen. Stattdessen legte die Politik erst im März 2020 richtig los.
An mehreren Stellen des Vortrags schimmert die Wut des Referenten auf Politiker durch, die sich laienhaft einmischten und Druck auf die Fachleute ausübten. Konkret kritisiert er, wie Habeck und Söder die STIKO abkanzelten oder wie die Gesundheitsämter zu sinnlosen Maßnahmen gezwungen wurden. Statt sich um Kranke zu kümmern, mussten sie rund um die Uhr mit allen Ressourcen Jagd auf Gesunde machen und diese in Quarantäne stecken.
Schwedens Gesundheitsbehörde unter Anders Tegnell war die einzige in Europa, die dem Druck der Politik erfolgreich widerstand und so verfuhr, wie es Lehrbücher und Richtlinien vorsahen, nämlich ohne drastische Freiheitseinschränkungen. Belohnt wurde Schweden für seine Standhaftigkeit mit der niedrigsten Übersterblichkeit aller europäischen Staaten.
Beim Fazit passt zwischen den Referenten und mich kein Blatt Papier. Die Grundrechte wurden aufgrund falscher Annahmen ausgehebelt. Für die Maßnahmen gab es keine Evidenz, und Lockdowns waren nicht nützlich, sondern schädlich.
Ich hätte nicht gedacht, derartigen Klartext aus dem Mund eines Mannes zu hören, der in der Corona-Krise nolens volens die Maßnahmen selbst exekutierte.
Vermutlich gibt es viel mehr Mediziner, die so denken wie Professor Gottschalk, aber wer noch im Amt ist, hält lieber den Mund.
Die beiden einzigen Verantwortlichen, die frühzeitig vor Fehlmaßnahmen warnten, nämlich der Regierungsrat Stefan Kohn aus dem Bundesinnenministerium und der Amtsarzt Friedrich Pürner wurden sofort von ihren Posten entfernt als Warnung für alle.
Frei reden können nur Pensionäre.
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Quelle:
https://www.youtube.com/watch?v=Fl_pP4ZWj0g
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Anmerkung (hl):
Die Stellvertreterin von Prof. Gottschalk in der Leitung des Gesundheitsamtes Frankfurt bis 31.1.2019, Frau Prof. Dr. med. Ursel Heudorf, hat bereits im Ärzteblatt vom Mai 2023 scharf gegen die Corona-Maßnahmen Stellung genommen. Siehe:
https://fassadenkratzer.de/2023/05/09/ehem-stellv-leiterin-eines-gesundheitsamts-rechnet-mit-den-corona-masnahmen-des-staates-ab/