Der lutherische Theologe Dietrich Bonhoeffer war eine der Lichtgestalten des Widerstandes gegen das absolute Böse im Nationalsozialismus, das Rudolf Steiner am 20.9.1924 in der Sprache der Apokalypse des Johannes als das antichristliche „Tier“ prophezeit hatte, „das 1933 aufsteigt“ (GA 346, S. 239-240). Bereits am 1.2.1933 forderte Bonhoeffer in einem Radiovortrag über „Wandlungen des Führerbegriffes“ eine Begrenzung totaler Machtfülle des Kanzleramtes durch rechtsstaatliche Ordnung und Volkswohl und sagte: „Führer und Amt, die sich selbst vergotten, spotten Gottes“, worauf die Übertragung sofort zensierend abgebrochen wurde (Wikipedia). (hl)
Dietrich Bonhoeffer mit Konfirmanden am 21. März 1932
© Bundesarchiv, Bild 183-R0211-316/Wikimedia Commons, CC-BY-SA 3.0
Zum Gedenken an ihn, der aus der Ich-Kraft deutschen Geistes wirkte, die in einer tiefen christlichen Glaubensgewissheit gegründet war, bringe ich mit freundlicher Erlaubnis einen Artikel von Renate Lilge-Stodieck, den sie am 2.2.2006 in „Epoch Times“ veröffentlicht hat. Wir müssen uns immer wieder an solche Vorbilder erinnern, gerade in Zeiten, in denen die individuellen Grundrechte für die unbegrenzte Machtfülle einer Parteienherrschaft erneut bedenkenlos außer Kraft gesetzt werden. Ein neuer Totalitarismus schleicht sich auf verborgenere und raffiniertere Weise in die Gesellschaft ein. (hl)
Dietrich Bonhoeffer: Von guten Mächten treu und still umgeben
Ergebung und Widerstand im Leben Dietrich Bonhoeffers
Von Renate Lilge-Stodieck
Vom 19. Dezember 1944 datiert ein Brief Dietrich Bonhoeffers aus dem Gefängnis, dessen Beigabe ein Gedicht war, das heute als Kirchenliedtext berühmt ist:
„Von guten Mächten treu und still umgeben.“
Das Gedicht war ein Gruß Bonhoeffers an seine Mutter zu ihrem 70. Geburtstag und an seine Verlobte Maria von Wedemeyer, seinen Vater und seine Geschwister. An diesem Weihnachtsfest 1944 dachten die damit Gegrüßten an die zwei inhaftierten Söhne Klaus und Dietrich, an die zwei inhaftierten Schwiegersöhne Hans von Dohnanyi und Rüdiger Schleicher, an die Tochter Sabine, Dietrichs Zwillingsschwester, die wegen ihres jüdischen Mannes Gerhard Leibholz ins Ausland gegangen war und nun wegen der nationalsozialistischen Diktatur gleichfalls nicht anwesend sein konnte, sowie an den gefallenen Sohn Walter.
Dietrich Bonhoeffer wurde am 4. Februar 1906 in Breslau als das sechste von acht Kindern geboren. Sein Vater war Karl Bonhoeffer, einer der führenden Psychiater und Neurologen seiner Zeit. Seine Mutter Paula Bonhoeffer, geborene von Hase, war Lehrerin aus einer Familie evangelischer Theologen und Künstler.
1911 zog die Familie nach Berlin um, weil der Vater einen Ruf auf einen für ihn eingerichteten Lehrstuhl an der Universität Berlin erhalten hatte. Ab 1923 studierte Dietrich Bonhoeffer in Tübingen evangelische Theologie. Nach beruflichen Jahren in Barcelona und NewYork kehrte er nach Berlin zurück, zunächst als Assistent an die Universität, schließlich wird er 1931 in der St. Matthäikirche (am heutigen Kulturforum Berlin) zum Pfarrer ordiniert.
1933 ging er als Pfarrer nach London, von wo er 1935 bewusst in das nationalsozialistische Deutschland zurückkehrte. Früh engagierte er sich im Bemühen, weltweit die Kirchen zum Widerstand gegen die erkennbaren Kriegsvorbereitungen zusammenzuführen. 1938 fand er weitergehende Kontakte zum Widerstand gegen Hitler. Am 22. August 1940 erhielt Bonhoeffer „wegen seiner volkszersetzenden Tätigkeit“ Redeverbot „für das gesamte Reichsgebiet“. Ein Verbot schriftstellerischer Tätigkeit folgte im März 1941.
Am 5. April 1943 wurde er wegen „Wehrkraftzersetzung“ verhaftet und im Untersuchungsgefängnis der Wehrmacht in Tegel gefangen gehalten. Nach dem 20. Juli 1944 wurde er intensiven Verhören durch die Gestapo unterzogen, sie konnte Bonhoeffer und anderen Mitverschwörern jedoch keine Beteiligung daran nachweisen. Am 8. Oktober geriet Bonhoeffer erneut in die Hände der Gestapo und kam nun in den Gestapo-Keller Prinz-Albrecht-Straße.
Das Todesurteil
Am 5. April 1945 ordnete Adolf Hitler die Hinrichtung aller noch nicht exekutierten „Verschwörer“ des 20. Juli 1944 an und damit auch die Dietrich Bonhoeffers. Ein SS-Gericht, verurteilte daraufhin neben Dietrich Bonhoeffer auch Walther-Wilhelm Canaris, Hans Oster, Karl Sack, Theodor Strünck und Ludwig Gehre am 8. April 1945 zum Tode durch den Strang. Der Prozess war ein reiner Scheinprozess.
Zur Erniedrigung der Angeklagten und Belustigung des SS-Personals mussten sich alle zur Hinrichtung Bestimmten zuvor völlig entkleiden und nackt zum Galgen gehen. Der Lagerarzt beobachtete die Szene und berichtete später, Bonhoeffer habe völlig ruhig und gesammelt gewirkt, sich von allen Mithäftlingen verabschiedet und ein kurzes Gebet gesprochen.
Dietrich Bonhoeffer wurde in der Morgendämmerung des 9. April 1945 erhängt.
„Von guten Mächten treu und still umgeben,
behütet und getröstet wunderbar, –
so will ich diese Tage mit euch leben
und mit euch gehen in ein neues Jahr;
noch will das alte unsre Herzen quälen,
noch drückt uns böser Tage schwere Last.
Ach Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen
das Heil, für das Du uns geschaffen hast.
Und reichst Du uns den schweren Kelch, den bittern,
des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,
so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern
aus Deiner guten und geliebten Hand.
Doch willst Du uns noch einmal Freude schenken
an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz,
dann woll’n wir des Vergangenen gedenken,
und dann gehört Dir unser Leben ganz.
Laß warm und hell die Kerzen heute flammen
die Du in unsre Dunkelheit gebracht,
führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen!
wir wissen es, Dein Licht scheint in der Nacht.
Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet,
so laß uns hören jenen vollen Klang
der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet,
all Deiner Kinder hohen Lobgesang.
Von guten Mächten wunderbar geborgen
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiß an jedem neuen Tag.“
Dietrich Bonhoeffer
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