Wir befinden uns nicht mehr nur in einer schweren Krise, sondern bewegen uns in Politik, Gesellschaft und Kultur bereits in der steilen Abwärtsbewegung der Dekadenz. Damit befasst sich der Hamburger Philosoph und Geisteswissenschaftler Lars Grünewald im folgenden Artikel. Er untersucht, welche Rolle die Herrschenden, die Beherrschten und die Parteien dabei spielen, benennt die Ziele der „Führungseliten“, die in diese Entwicklung führen, und versucht in seinen Prognosen, Licht am Horizont auszumachen. (hl)
Dekadenz & Zivilisation (nachaltig-in-graz.at)
Von Gastautor Lars Grünewald
Dass sich die Weltlage dramatisch verschlechtert und wir in politischen und gesellschaftlichen Krisenzeiten leben, wird heute wohl kaum ein Mensch bestreiten. Es ist jedoch viel dramatischer: Wir leben in einer Zeit der Dekadenz. Krise und Dekadenz sind zwei durchaus unterschiedliche, einander in gewisser Weise entgegengesetzte Begriffe: Eine Krise ist eine Entscheidungssituation, in der die bisherigen Verhaltensweisen nicht mehr ausreichen, eine gegebene Situation zu bewältigen. Die Frage ist dann: Gelingt es, neue Verhaltensformen zu entwickelt, die eine konstruktive Weiterentwicklung ermöglichen, oder führt ein Festhalten an alten Mustern bzw. eine Reaktion mit ungeeigneten Mitteln zu Stagnation und weiterer Rezession? Mit jeder Krise sind demnach Entwicklungschancen verbunden.
Bei der Dekadenz hingegen sind die Würfel bereits gefallen: Die Abwärtsentwicklung ist unumkehrbar und unaufhaltsam. In diesem Fall käme es für Menschen, die der Dekadenz nicht blind ausgeliefert sein wollen, darauf an, die gegenwärtigen Entwicklungen zu begreifen, um die eigene Einstellung und das eigene Verhalten danach auszurichten und mit der gegebenen Situation bewusst und selbstbewusst umgehen zu können.
Begriff der Dekadenz
Was beinhaltet der Begriff der Dekadenz, bezogen auf Politik, Gesellschaft und Kultur? Gesellschaftliche Dekadenz impliziert zunächst den Zusammenbruch einer Gesellschaft. Das ist jedoch zu unpräzise, denn die (meisten) Menschen, aus denen die Gesellschaft besteht, leben ja weiterhin und bilden sozusagen die Materie dieser Gesellschaft. Was zusammenbricht, ist vielmehr deren Form oder Organisationsstruktur. Die Organisationsstruktur einer Gesellschaft spiegelt einen bestimmten Kulturtypus (und ein damit verbundenes kulturelles Selbstverständnis) wider, den die jeweilige Organisationsstruktur zu realisieren trachtet; und dieser Kulturtypus ist es in letzter Konsequenz, der zusammenbricht und zugrunde geht. In unserem Fall ist dieser Kulturtypus der freiheitliche, demokratische und soziale Rechtsstaat als das seit 1949 für Deutschland angestrebte Gemeinwesen. Zu einem Kulturtypus zählen aber nicht nur das angestrebte Ziel, sondern auch die zur Erreichung dieses Ziels vorgesehenen Mittel. Und das zentrale Mittel der gesellschaftlichen Gestaltung in Deutschland ist die Parteiendemokratie.
In einer Dekadenzzeit kommt es zu einer fortgesetzten Auflösung und Zerstörung gesellschaftlicher Strukturen, die in einem unaufhaltsamen politischen, rechtlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Niedergang resultieren. Als logische Folge des Strukturverlustes zeigt sich Chaos, das letztlich schrankenlose Willkür ermöglicht, die sich oftmals in Form von Gewalt geltend macht. Dabei kommt es verbreitet zu psychotischem Verhalten von Menschen, welches sich als Ergebnis der allgemeinen Orientierungslosigkeit und des damit verbundenen Kontrollverlustes ergibt.
Entscheidend für die Dekadenz (im Gegensatz zur Krise) ist deren Unumkehrbarkeit. Hierbei führt eine langsame und allmähliche – von den meisten Menschen unbemerkte – Entwicklung auf einen kritischen Punkt hin, ab dem die Abwärtsentwicklung dann in drastisch gesteigertem Tempo exponentiell verläuft. Die Entwicklung der deutschen Gesellschaft in die Dekadenz hat nun keineswegs erst in den letzten Jahren begonnen; ihre Wurzeln liegen vielmehr bereits in der Mitte der 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts (was an anderer Stelle dazustellen wäre). Seit den 80er Jahren wurden dann Dekadenzsymptome erstmals deutlich erkennbar und haben sich seither – von den meisten Menschen unbemerkt – jahrzehnteweise gesteigert, um mit der Corona-Krise den besagten kritischen Punkt zu erreichen.
Nachdem der Versuch des gesellschaftlichen Widerstandes gegen die sorgfältig geplante „Pandemie“ erfolglos blieb, weil die deutsche Bevölkerung in ihrer weit überwiegenden Mehrheit das Corona-Regime akzeptierte und befürwortete, gab bzw. gibt es seit dem nahtlosen Übergang der Corona- in die Ukrainekrise kein Halten mehr: Der Niedergang der Gesellschaft vollzieht sich nunmehr in freiem Fall.
Die Herrscher
Die beiden entscheidenden Akteure gesellschaftlicher Dekadenz sind die Regierung und das Volk, d.h. Herrscher und Beherrschte.
Zum Phänomen der gesellschaftlichen Dekadenz gehören notwendigerweise dekadente Funktionseliten. Dekadent sind diese Funktionseliten deswegen, weil sie nicht die allgemeinen Anliegen der Gesellschaft, sondern partikulare Interessen verfolgen, und zwar entweder ihre eigenen oder diejenigen übergeordneter Hierarchien. Hierbei lassen sich drei Ebenen voneinander unterscheiden:
- Auf der untersten Ebene finden wir unmittelbar egoistische Interessen wie Reichtum, Ruhm oder soziales Ansehen. Den Vertretern dieser Gruppierung sind die übergeordneten Motive gesellschaftlicher Umgestaltung zumeist unbekannt und auch gleichgültig, da sie nicht in größeren Zusammenhängen denken.
- Eine allgemeinere Zielsetzung besteht im Ausbau und in der Erhaltung von Macht zur Sicherung der eigenen privilegierten Stellung. Zentrales Anliegen ist deswegen vor allem die Bekämpfung und Ausschaltung oppositioneller Kräfte. Dies verlangt den übergreifenden Zusammenschluss und die Koordination aller entsprechend gerichteten Akteure zu einem Machtkartell.
- Als höchste und allgemeinste Ebene partikularer Interessen lässt sich die Durchsetzung bestimmter weltanschaulicher und gesellschaftlicher Zielvorstellungen auf der Grundlage eines bestimmten Menschenbildes charakterisieren. Die Akteure dieser Gruppierung bleiben oftmals für die Öffentlichkeit unsichtbar und verstehen es, die ersten beiden Gruppen für die Durchsetzung ihrer Ziele zu instrumentalisieren.
Die beiden unteren Ebenen des politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Führungspersonals einer dekadenten Gesellschaft sind charakterlich korrupt in dem Sinne, dass sie die ihnen anvertrauten Ämter und Funktionen zur Verfolgung von dem Allgemeinwohl entgegengesetzten Zielen missbrauchen und insofern eine gesellschaftlich destruktive Wirkung entfalten. Die Funktionseliten tendieren zur Bildung formeller und informeller Netzwerke, um ihre Aktivitäten besser koordinieren zu können. Ein strategisch unumgängliches Hauptziel ist die Beherrschung der Medien, um die Bevölkerung mittels einseitiger Propaganda manipulieren und entgegengesetzte Auffassungen kontrollieren und ausschalten zu können. Im fortgeschrittenen Stadium der Dekadenz erweist sich die Macht der Führungseliten als unüberwindbar: Oppositionelle Bewegungen haben keine Möglichkeit der gesellschaftlichen Durchsetzung ihrer Intentionen.
Die Beherrschten
Das Gegenstück zur Dekadenz der Funktionseliten bildet die allgemeine Dekadenz der Bevölkerung. Dies umfasst insbesondere den allgemeinen Bildungsgrad, die Fähigkeit zur autonomen Urteilsbildung und das verfügbare Ausmaß an Selbstreflexion. Eine dekadente Bevölkerung denkt automatisch in gesellschaftlich etablierten und anerzogenen Begriffen und Strukturen und verhält sich aufgrund ausgeprägter Willensschwäche durchweg passiv. Urteilsunfähigkeit und Passivität resultieren dann notwendigerweise in allgemeiner Autoritätshörigkeit und Mediengläubigkeit. Aufgrund fehlender Selbstreflexion bleiben den Menschen ihre eigenen Charaktereigenschaften dabei vollkommen unbekannt: Eine Gesellschaft, die ihre eigene Dekadenz erkennt, wäre ein Widerspruch in sich.
Charakteristisch für eine dekadente Gesellschaft ist das ausschließliche Leben in Vergangenheitsvorstellungen: Das gesellschaftliche Bildungssystem und die in der Vergangenheit praktizierten Lebensgewohnheiten haben in unserer Gesellschaft das allgemeine Selbstverständnis erzeugt, in einem strukturell funktionierenden und intakten Gemeinwesen, nämlich in einem freiheitlichen und demokratischen Rechtsstaat zu leben. Die Fixierung auf derartige Vorstellungen bzw. Denkgewohnheiten verhindert die tatsächliche Wahrnehmung des gegenwärtigen Zustandes. Eine vorurteilslose Wahrnehmung und deren gedankliche Beurteilung werden zudem systematisch verdrängt, weil sich als deren Folge eine umfassende Korrektur des eigenen Weltbildes und Selbstverständnisses ergeben müsste, vor der die meisten Menschen geradezu panisch zurückschrecken, da sie sich mit der Notwendigkeit einer umfassenden Selbstrevision bei weitem überfordert fühlen würden. Infolgedessen wird die gesellschaftliche Dekadenz allgemein verschlafen; und gerade dadurch wird ein zunächst nur kritischer Zustand dekadent.
Indem das eigene falsche Weltbild mit dem Ziel der Bewahrung der eigenen Integrität zwanghaft aufrechterhalten wird, kommt es zu einer umfassenden Realitätsverweigerung, die sich pathologisch als getrübter Bewusstseinszustand kennzeichnen lässt. Wenn die lange aufrechterhaltene Illusion dann infolge von Zerstörung (Krieg), Gewalt (Bürgerkrieg, Anarchie) und/oder allgemeiner wirtschaftlicher Not (Hunger, Obdachlosigkeit) kollabiert, ist es zu spät: Das dekadente Gesellschaftssystem ist untergegangen, was sich in diesem Stadium kaum noch als Verlust begreifen lässt.
Ziele und Methoden der Umgestaltung
Das strategische Hauptziel der gegenwärtigen Führungseliten ist die allgemeine Vernichtung von Freiheit und Individualität: Es geht um die flächendeckende Ausschaltung unseres in Art. 1.2 garantierten Grundrechtes auf freie Entfaltung der menschlichen Persönlichkeit. Dieses Ziel wird – wie die Corona-Krise deutlich gezeigt hat – weltweit verfolgt. Bislang bildete der US-amerikanische Deep State und dessen Geostrategie das logistische Zentrum der freiheitsfeindlichen Intentionen; in Europa konzentrieren sich die entsprechenden Kräfte in der Europäischen Union, welche inzwischen zu einer Kommandozentrale für organisierte Freiheitsvernichtung mutiert ist. Der Grund für die fanatische Freiheitsfeindlichkeit ist leicht ersichtlich: Freie Menschen stellen eine stete Gefahr für jede Form totalitärer Herrschaft dar, da ihr Verhalten und ihre intellektuelle wie operative Kreativität unberechenbar sind. Eben deswegen kommt es darauf an, die Bevölkerung systematisch zu kontrollieren und einzuschläfern sowie alle bedrohlichen Gegner auszuschalten. Die Umgestaltung der gesellschaftlichen Strukturen zu totalitären Herrschaftsmitteln findet vor allem auf drei Ebenen statt, nämlich zunächst auf der Ebene des eigentlichen politischen Systems:
- Die politischen Parteien bedürfen einer durchorganisierten Top/Down-Struktur, was die Entmachtung der einzelnen gewählten Abgeordneten, ihrer Abtrennung vom Wählerwillen und ihre bedingungslose Unterordnung unter die Kommandoebene der Parteiführung erfordert.
- Die Unterschiede der etablierten Parteien werden nivelliert, so dass die vormals einander vielfach entgegengesetzten Parteien zu einem Parteienkartell verschmelzen, welches den Blockparteien des Staatssozialismus gleicht: Alle Kartellparteien wollen prinzipiell kraft ihrer Führungsebenen dasselbe.
- Wirkliche politische Alternativen werden systematisch diffamiert, ausgegrenzt und verfolgt, so dass in der politischen Realität und im Bewusstsein der Menschen eine „Brandmauer“ zu den vermeintlichen Feinden der Gesellschaft erzeugt wird.
Als zweites steht die Beseitigung des Rechtsstaates auf dem Programm:
- Es kommt zu einer allgemeinen Aufhebung der Freiheits- und Schutzrechte der Bevölkerung,an welche die Möglichkeit der freien Persönlichkeitsentfaltung unabdingbar gebunden ist. Damit ist die Verfassung (unser Grundgesetz) faktisch und dauerhaft außer Kraft gesetzt.
- Die zentrale Position des Bundesverfassungsgerichtes wird okkupiert, indem die zu kontrollierenden Politiker ihre eigenen Kontrolleure – vorzugsweise Parteikameraden und ausgewiesene Gesinnungsgenossen – selber wählen. Der Bundesverfassungsschutz wird auf verfassungswidrige Weise zur Verfolgung von Menschen eingesetzt, die ihre vermeintlich garantierten Grundrechte wahrnehmen.
- Durch Bespitzelungen, soziale Ächtung in den Medien, Hausdurchsuchungen und strafrechtliche Verfolgung werden selbständige Richter an der freien Ausübung ihres Amtes gehindert und damit eine unabhängige Rechtsprechung soweit wie möglich vernichtet.
Die Kontrolle der Medien bildet die dritte Hauptstütze des Totalitarismus:
- Die Medien werden zur politischen Steuerung der Bevölkerung missbraucht. Mediale Führungspositionen werden bevorzugt mit Parteimitgliedern besetzt, was die allgemeine Steuerung der Bevölkerung durch Regierungspropaganda ermöglicht.
- Kritischer Journalismus soll so weit wie möglich ausgerottet werden, um die Bevölkerung vor alternativen Auffassungen und Sichtweisen zu schützen.
- Insbesondere gilt es, die politische Führung vor jeglicher Konfrontation mit unabhängigem Journalismus zu bewahren, da sie aufgrund ihrer korrupten Gesinnungen und Strategien einer argumentativen Auseinandersetzung keinesfalls gewachsen wären und dem Publikum somit die verwendeten Lügen und destruktiven Aktivitäten verdeutlicht würden.
Umgang mit der Bevölkerung
Die Steuerung der Öffentlichkeit vollzieht sich auf den drei Ebenen des Gedanken-, des Emotions- und des Handlungsmanagements: Die Implementation bestimmter Begriffe, Vorstellungen und Urteile seitens der Medien bewirkt die von den Manipulatoren angestrebten Einstellungen und emotionalen Stellungsnahmen der Menschen in Form determinierter Sympathien und Antipathien, welche wiederum entsprechende Handlungen (wozu auch verbale Äußerungen zählen) evozieren. Dieses komplexe Thema kann hier nicht näher behandelt werden.
Ein zentrales Mittel zur intellektuellen, emotionalen und operativen Steuerung der Bevölkerung sind publizistisch erzeugte oder modifizierte Krisen, welche scheinbar die Etablierung totalitärer Steuerungs- und Kontrollstrukturen rechtfertigen: Internationaler Terrorismus, Finanzkrise, Immigrantenkrise, Klimakrise, Coronakrise, Ukrainekrise … Alle diese Szenarien dienten und dienen in ihrer Konsequenz dazu, Freiheit und Wohlstand der Bevölkerung immer weiter zu reduzieren und so der freien Persönlichkeitsentfaltung – aus welcher alleine eine freiheitliche Gesellschaft hervorgehen kann – so viele Hindernisse wie möglich in den Weg zu legen.
Ziel der mentalen Steuerung durch mediale Propaganda muss es dabei sein, eine genügend starke Allianz zwischen den Herrschern und der Mehrheit der Bevölkerung zu bilden und zu sichern. Dies geschieht über die mediale Erzeugung, Protegierung und Verfolgung gemeinsamer Feinde, denen gegenüber Herrscher und Untertanen eine solidarische „Achse des Guten“ bilden: Ausländerfeinde, Klimaleugner, Coronaleugner und Putinversteher bilden die allgemeinen gesellschaftlichen Feindbilder, denen zur intellektuellen Vereinfachung und mit gezieltem Bezug auf die deutsche Vergangenheit das allgemeine Etikett der Rechten bzw. Rechtsradikalen (Differenzierungen sind hier durchaus unerwünscht) angehängt wird.
Ein weiteres bewährtes Mittel der Bevölkerungskontrolle sind bekanntlich Brot und Spiele. Wenn das Brot allmählich knapp wird, werden Spiele umso wichtiger; zusammen mit der medialen Vielfalt ist die Anzahl verfügbarer Spieloptionen exponentiell angestiegen und dient damit der immer weiteren Zerstreuung einer ohnehin schon reichlich zerstreuten Bevölkerung. Die eigene Gefolgschaft zu erhalten und sie im Bewusstsein der Betroffenen alternativlos zu machen, ist die umfassende Aufgabe des Bildungssystems einer totalitären Gesellschaft, vor allem der Schulen und Hochschulen, als deren zentrales Ziel sich mittlerweile die Aberziehung der Freiheitsfähigkeit der Menschen darstellt. Zentrale Voraussetzung der Freiheit ist aber das selbständige Urteilsvermögen, dem die Ver- und Unbildungsattacken des Systems vordringlich gelten. Hierbei ist unbedingt zu beachten, dass die Medien einen integralen Teil des Bildungssystems einer Gesellschaft darstellen; sie übernehmen gewissermaßen die lebenslange Funktion der Erwachsenenbildung.
Prognosen
Nach meiner Auffassung ist die gegenwärtige Entwicklung unumkehrbar (eben dekadent); und es stellt sich die Frage nach der zukünftigen Gestaltung, die zunächst in einer Fortsetzung der momentanen Tendenzen bestehen dürfte:
- Das Führungskartell wird an seiner Macht und an seiner Politik der Verelendung der Bevölkerung festhalten. Der Kampf gegen politische Alternativen wird weiterhin erfolgreich sein. Das totalitäre Vorgehen gegen Gegner wird zunehmen.
- Ein genügend großer Teil der Öffentlichkeit wird bis auf weiteres an den ihnen implementierten Ideologien festhalten. Der „Kampf gegen Rechts“ bleibt ein erfolgreiches Steuerungsmittel. Die fraglose Unzufriedenheit der meisten Menschen mit der jeweiligen Regierungspartei schlägt sich nicht in einer umfassenden Kritik des gegenwärtigen Systems der Machtausübung nieder. Vereinzelte Streiks und Proteste werden medial unterdrückt oder als rechte Kampagnen denunziert.
- Es kommt zu einem totalen wirtschaftlichen Zusammenbruch, dessen einander bedingende Symptome Massenarbeitslosigkeit, Inflation, Zusammenbruch des Sozialstaates, Anstieg von Armuts- und Aggressionskriminalität, Zwangsenteignungen und Zwangskasernierungen sowie letztlich der Zusammenbruch der Staatsverwaltung sein werden.
- Falls es weiterhin gelingt, Russland als eine europäische Bedrohung erscheinen zu lassen und entsprechende akute Krisenszenarien herbeizuführen, kann ein als deren Folge ausgerufener militärischer Spannungsfall zu Ausgangssperren, Demonstrationsverboten, ausgesetzten Wahlen, Lebensmittel- und Energierationierungen und ähnlichen Drangsalierungen führen. Die Akzeptanz derartiger Zwangsmaßnahmen wurde bereits während der Coronakrise umfassend an der Bevölkerung erprobt.
- Schließlich wird die Exekutive, auf die sich jede Regierung stützen muss, ebenfalls vom allgemeinen Niedergang betroffen sein. Polizei und sonstige Behörden, Justiz, Bundeswehr, die Basis der politischen Parteien: Zahlreiche Akteure dieser Komplexe werden dem Parteienkartell Gefolgschaft und Gehorsam verweigern und infolgedessen dazu beitragen, dass die Regierungspolitik zunehmend undurchführbar und die Regierung schließlich entmachtet wird. Die Situation wird dann in einem vollkommenen wirtschaftlichen, politischen und geistigen Chaos angekommen sein.
Falls es möglich sein soll, das entstandene Chaos zu überwinden, bedürfte es einer externen Ordnungsmacht, welche durch Kontrolle der Exekutive verlässliche Rahmenbedingungen für eine gesellschaftliche Neuordnung schaffen und sozusagen als Steigbügelhalter der Neuorganisation fungieren kann. Diese Funktion hatte 1945 die alliierte Militärverwaltung und 1990 (bei der Neuorganisation der ehemaligen DDR) Westdeutschland übernommen.
Momentan scheint sich diesbezüglich die Perspektive anzubahnen, Deutschland in ein zumindest zeitweiliges US-amerikanisches Protektorat umzuwandeln. Die Kontaktaufnahmen der US-Administration mit der einzigen relevanten Oppositionspartei – der AfD – sowie die an die amerikanische Botschaft in Deutschland ergangene Anweisung, verfassungswidrige Straftaten sowohl von Immigranten als auch von Vertretern der Staatsgewalt aufmerksam zu registrieren, deuteten bereits auf ein vorliegendes oder in der Entwicklung begriffenes Konzept der Trump-Administration für den Umgang mit Deutschland nach dessen Zusammenbruch hin.
Die im Dezember vom Weißen Haus veröffentlichte und vom Präsidenten unterzeichnete National Security Strategy zeigt nun unter der Überschrift „Promoting European Greatness“(1) unmissverständlich, dass von den USA umfassende Hilfestellungen für den Neuaufbau einer demokratischen und freiheitlichen Gesellschaft zu erwarten sind. Bezüglich der drei grundlegenden Bereiche des gesellschaftlichen Zusammenlebens ergäben sich aus einer solchen Konstellation die folgenden Konsequenzen:
- Wirtschaftlich ist Deutschland jetzt bereits ruiniert und wird aufgrund seines unaufholbaren Rückstandes gegenüber den USA, China, Japan usw. voraussichtlich nie wieder den Anschluss an die Weltmärkte und an den technologischen Fortschritt gewinnen können. Es wird daher auf US-amerikanische Wirtschaftshilfen sowie auf Investitionen ausländischer Firmen in Deutschland angewiesen sein, um der Bevölkerung zu ermöglichen, mittelfristig ausreichende Kapazitäten zur einheimischen Produktion der wesentlichen Bedarfsgüter aufzubauen.
- Politisch müsste ein Neuaufbau unter der Rechtsaufsicht einer externen Macht stehen, welche durch Kontrolle der Exekutive einen geordneten Weg zur staatlichen Neuverfassung garantieren kann. Dass ein solcher Neuaufbau gelingen wird, erscheint mir aufgrund des geringen Bildungsniveaus der Bevölkerung zweifelhaft und wird u.a. davon abhängen, wie genau die Ursachen des Scheiterns unserer parlamentarischen Demokratie analysiert werden. Die Konzeption eines wirklich tragfähigen politischen Gemeinwesens müsste m.E. die vollkommene Abschaffung des Parteiensystems – als der Ursache der gegenwärtigen Diktatur – und die freie Wahl von Abgeordneten auf regionaler Basis herbeiführen.
- Kulturell wird die deutsche Bevölkerung auf sich alleine gestellt sein und mit einem tiefgreifenden Verlust der eigenen Identität umzugehen haben. Es wird an denjenigen Menschen liegen, die nicht Opfer der allgemeinen Verblödung geworden sind, sich zu kulturellen Aktivitäten zusammenzufinden, welche Menschen anderer Länder und Kontinente davon überzeugen können, dass die Bewohner dieser Region etwas hervorbringen, das für die Entwicklung einer freiheitlichen und friedlichen Weltkultur einen Wert haben kann.
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(1) https://www.whitehouse.gov/wp-content/uploads/2025/12/2025-National-Security-Strategy.pdf
Siehe auch:
Ein Gedanke zu „Leben in der Dekadenz“
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