Die Macht steigt aus dem Egoismus auf und zerstört die Demokratie

Theokratisch-hierarchische Herrschaftsstrukturen durchsetzen noch immer den heutigen Versuch einer Demokratie.1 Sie werden nicht vor dem Richterstuhl der Gleichheit und Freiheit des Einzelnen überprüft und als antidemokratisch beseitigt. Denn sie sind für die Interessengruppen der Parteien und dahinter stehender kapitalistischer und globaler Kreise ein geeignetes Instrument der Macht, ihre egoistischen Ziele durchzusetzen und die Völker in ihrem Sinne zu lenken. Die Macht Einzelner über die Anderen aber ist die egoistische Anmaßung, höher zu stehen als sie und beseitigt prinzipiell deren Gleichheit und Freiheit. Und es zeigt sich, dass die Schaltstellen der Macht vornehmlich gerade die egoistischen Machtnaturen anziehen und für die Auslese der Schlechtesten sorgen.                                                    

                                                           so ähnlich

Die Macht hatte ursprünglich in den alten Kulturen, wie z.B. der ägyptischen Theokratie, im Geistigen ihren Ursprung. Sie ging von hohen Eingeweihten aus, deren Macht keinen äußeren Zwang bedeutete, sondern in der überlegenen göttlichen Weisheit und Güte bestand, aus der heraus sie das Leben der Menschen zu ihrem Heile ordneten und leiteten, wozu diese selbst noch nicht imstande waren.

Aus diesem Zustand hat sich die Menschheit allmählich herausentwickelt. Mit der in Griechenland entstehenden Fähigkeit des begrifflichen Denkens erwachte in den Menschen ein wachsendes Selbstbewusstsein, das sich darauf stützte, die Wahrheit im eigenen Denken selbst erkennen und danach handeln zu können, ohne auf die Autorität von Herrschern und Priestern angewiesen zu sein. Darin wurden, impulsiert durch das sich ausbreitende Christentum, alle Menschen gleich: aus eigener Erkenntnis ihr Handeln selbst bestimmen und darin ihre Persönlichkeit frei entfalten zu können. Das macht letztlich die Würde des Menschen aus.

Jeder Anspruch eines der Gleichen aber, anderen ihr Denken und Handeln vorzuschreiben, ist die hohle Anmaßung, ihnen nicht gleich zu sein, sondern höher zu stehen. Sie entspringt einem eigensüchtigen Ego, das sich aufbläht und über andere Menschen ausdehnt, um sie zu beherrschen. Indem es sich Andere untertan macht, erlebt es sich in der Macht über die Erniedrigten verstärkt und erhöht, und diesen narzisstischen Rausch möchte es nicht mehr missen. Das Streben nach Macht steigt aus einer inneren Hybris auf, die aber geistige Hohlheit und Schwäche bedeutet. Daher lebt der Machtsüchtige in ständiger Furcht, seine Macht wieder an einen Stärkeren zu verlieren; und diese Furcht tobt sich in argwöhnischer Überwachung, Lüge, Hass, Verfolgung Andersdenkender und Gewalt aus.

Normalerweise würde heute jeder Versuch, Macht über andere auszuüben, von diesen entschieden zurückgewiesen. Es ragt aber aus der Vergangenheit ein Staatsgebilde in die demokratische Gegenwart, das noch immer von hierarchischen Machtstrukturen durchsetzt ist, in denen sich Machtsüchtige, äußerlich legitim, mit allen amoralischen Methoden entfalten können.2
Normalerweise würden auch öffentliche oder bekannt gewordene Lügen oder andere Exzesse menschlicher Niedertracht dazu führen, dass der betreffende Machtinhaber aus einem Rest bürgerlichen Anstandes heraus von seinem Amt zurücktritt. Das hat es auch früher in Einzelfällen noch gegeben, die Unverfrorenheit ist aber heute allgemein geworden.

Doch worin liegen die Ursachen, dass die Mittel und Methoden menschlicher Niedertracht selbstverständlicher Bestandteil der politischen Macht im modernen scheindemokratischen Staat geworden sind?

Machiavellismus

Einen außerordentlich großen Einfluss auf die Entwicklung des modernen allmächtigen Staates und sein Machtgefüge hat die Staats- und Machttheorie des Florentiners Niccolò Machiavelli (1469 – 1527) ausgeübt. Der Historiker Dr. Karl Heyer hat diesen Einfluss in einer Untersuchung gründlich herausgearbeitet. 
In der Zeit, in der immer mehr Menschen begannen, sich aus kollektiven Bindungen zu lösen und ihr Handeln als freie Individualität selbst zu bestimmen, sah Machiavelli die Sicherheit vor einem gesellschaftlichen Chaos in einem starken, alles ordnenden Fürsten-Staat, dem sich die Individualitäten unterzuordnen haben.

Er hatte sehr pessimistische Vorstellungen vom Menschen, die er nicht begründete, aber von denen er als selbstverständlich ausging. Die Menschen seien von Natur aus schlecht, egoistisch, und blieben es auch unveränderlich, da es keine fortschreitende Entwicklung in der Menschheitsgeschichte gebe, sondern nur einen ewig sich wiederholenden Kreislauf.
Aus diesem Misstrauen gegen die menschliche Natur folgte notwendig die Vorstellung, allen Nachdruck darauf legen zu müssen, dass der Mensch durch äußere Macht zu einem einigermaßen sozialen Verhalten gezwungen werden müsse. Dazu müsse sich der Staat zu einem Machtstaat ausbilden, der eine umfassende Gewalt hat, seine Maßnahmen durchzusetzen.

Der Fürst müsse mit allen Mittel den Machtstaat ausbilden und erhalten. Dazu sei jedes Mittel recht, gleichgültig, ob moralisch gut oder schlecht. Das Regieren des Fürsten müsse notwendig vom Egoismus bestimmt sein (ist er doch selber auch ein schlechter, egoistischer Mensch). Das egoistisch-kluge politische Handeln unterscheide prinzipiell nicht zwischen guten und üblen Mitteln, sondern setze beide ein, je nach ihrer Zweckmäßigkeit für den erstrebten Erfolg, die Sicherung und Erweiterung der äußeren Macht.

„Sein Staats-„Zweck“ ist Macht um ihrer selbst willen. Das äußere Ziel der staatlichen Entwicklung war Machiavelli die Bildung eines starken, geschlossenen, wohlgeordneten Staates, beruhend auf Zentralisation, vor allem aber der Nationalstaat. Das Schwergewicht liegt aber bei Machiavelli nicht auf diesen Zielen, sondern auf den Mitteln des politischen Handelns. Gerade hier zeigt sich der „Machiavellismus“ am unverfälschtesten, und gerade hiermit hat Machiavelli (die damalige politische Wirklichkeit theoretisierend) Schule gemacht. Verbrechen aller Art spielen hier gleichsam ihre „legitime“ Rolle. Machiavellis Schriften sind erfüllt von Schilderung und Empfehlung von Lüge, Betrug, List, Täuschung, Verrat, Treubruch, Gewalttätigkeit jeder Art, Vernichtung anderer Menschen, Mord und Grausamkeit. (…) Auch die „guten“ Mittel werden nur aus Egoismus angewandt: z. B. fördert der Fürst die Untertanen nicht um ihrer selbst willen, sondern weil er an ihrer Wohlfahrt, ihrer Zufriedenheit usw. ein egoistisches Interesse hat.“ 4

Mit der immer stärkeren Beseitigung der Sittlichkeit in der Politik aber werde das eigentlich Menschliche ausgeschaltet, das den Menschen vom Tier unterscheidet, so Karl Heyer. An die Stelle des menschlich-sittlichen Handelns trete daher ein mechanisches Spiel der Interessen, eine Abwägung und Ausbalancierung der Machtfaktoren; die Politik werde wie ein Schachspiel und der Staat zu einem Unpersönlich-Maschinellen.

Die Macht, die im Geistigen ihren Ursprung und ihre Legitimation hatte, war zugunsten der menschlichen Freiheitsentwicklung versiegt. Aber an ihre Stelle setzte sich die äußere Gewalt, die aus dem nackten Egoismus der irdischen Persönlichkeit mit Lug und Trug, Täuschung und Verbrechen aufstieg und sich den Staat als Instrument gestaltete.

Der Machiavellismus hat im politisch-sozialen Leben bis heute seine starken Wirkungen entfaltet. Jeder kann sie am Verhalten und Handeln der meisten führenden Politiker beobachten. Und auch im System des modernen Staates sind sie deutlich wahrnehmbar.

Absolutismus – Parteienherrschaft

Was in Italien in der Renaissancezeit mehr punktuell begonnen hatte, wurde in Frankreich in systematischer und planmäßiger Weise auf breiterem Boden ausgebaut und weitergeführt. Es erreichte einen Höhepunkt im Absolutismus Ludwig XIV. (1643-1715). Dessen Egoismus steigerte sich in einem solchen Maße, dass sich sein Ich gleichsam zu einer eingebildeten „Sonne“ aufblähte, die alles im Staate beschien, das gesamte Leben des Volkes, die Kultur und das merkantilistische Wirtschaftsleben umschloss, für die eigene Macht instrumentalisierte und zentral lenkte. In größenwahnsinniger Maßlosigkeit fühlte sich das Ego des Herrschers ausgeweitet zum alles umfassenden Staate: „L´État c´est moi“ (Der Staat bin ich). Es hatte sich sozusagen den Staat zur persönlichen Beute gemacht.

Der „Sonnen-König“ sah sich mit dem Ganzen des Staates identisch, ordnete alles nach seinem Willen. Alle gehorchten und dienten ihm, indem sie dem Staat dienten, dessen funktionierendes Teilchen sie waren.
Von dem staatlichen Zentrum aus wurden alle drei soziale Lebensgebiete – das politisch-militärische, das wirtschaftliche und das kulturelle – ergriffen, zu einer straffen Einheit zusammengeschweißt und von einem Geist beherrscht.
Es wurde so eine hierarchisch aufgebaute bürokratische Staatsmaschinerie geschaffen, in die der einzelne Mensch hilflos eingegliedert war. Der König an der Spitze und seine Beamten saßen an den Schaltstellen dieses riesigen Herrschaftsapparates, der ein perfektes Instrument für ihn war, alle anderen Menschen mit unausweichlicher Gewalt seiner persönlichen Machtsucht zu unterwerfen.

Aber die Staatsentwicklung bei Ludwig XIV. ist nur ein besonders signifikantes Beispiel und das größte und imposanteste der Zeit für die Entwicklungsdynamik, die damals in allen Staaten des  Fürstenabsolutismus überhaupt herrschte. Und dieser absolutistische Einheitsstaat wurde prägend für die ganze neuere Zeit. Mit seiner theokratisch-hierarchischen Machtstruktur auf der einen Seite und den niedersten egoistischen Kräften derjenigen, die um die Macht ringen, auf der anderen Seite ging er auch auf die modernen „Demokratien“ über.

Die Geschichte der Neuzeit ist gekennzeichnet durch den Kampf der Kräfte des Egoismus um den Staat als Instrument der Gewalt. Ob absoluter Fürstenstaat, konstitutionelle Monarchie oder demokratische Republik – der Staat wächst als zentralistisches, bürokratisches Riesengebilde, als hierarchischer Befehlsmechanismus, der sich über alle Lebensgebiete legt, immer mehr ins Gigantische, nimmt immer gewaltigere, erdrückendere Ausmaße an. Hand in Hand damit geht „die Atomisierung der Untertanen oder Staatsbürger zu einer homogenen Masse von Individuen, die man (…) von außen her durch abstrakte Gesetze zusammenhält.“ (Karls Heyer) 

Der Einheitsstaat wird ein immer perfekteres Instrument in den Händen derjenigen, die an den Schaltstellen sitzen – gleichgültig wie „demokratisch“ sie sich zu legitimieren suchen -, um die Masse der Menschen mit direkter oder indirekter Gewalt, mit Täuschung und Verbrechen nach ihrem Willen zu formen und zu lenken.

Wenn in der gegenwärtigen deutschen Republik der frühere Bundespräsident Richard von Weizsäcker zu der Feststellung kam, dass sich die Parteien den Staat zur Beute gemacht haben, was der Staatsrechtler Prof. Herbert von Arnim in zahllosen Untersuchungen detailliert bestätigt hat, ist das prinzipiell kein Unterschied zur Anmaßung Ludwigs XIV.: „Der Staat bin ich.“ An die Stelle eines einzelnen Machtpsychopathen ist nur die herrschende Partei, eine Parteien-Oligarchie getreten.

Mit der Gewalt, die den Mitmenschen überwältigt, handelt noch nicht der Mensch, sondern das Tier in ihm, wie wir gesehen haben. Das wird schon im innenpolitischen Kampf um die Macht sichtbar. Der peruanische Nobelpreisträger für Literatur Mario Vargas Llosa, der 1987 als Präsidentschafts-Kandidat für drei Jahre in die Politik ging, schilderte seine Erfahrungen so:

„Sie können die hehrsten Ideen haben, aber sobald es an deren Verwirklichung geht, sind Sie Intrigen, Verschwörungen, Paranoia, Verrat und Abgründen an Schmutz und Niedertracht ausgesetzt. Wenn ich eins über den Morbus der Politik gelernt habe, dann dies: Der Kampf um die Macht lockt die Bestie in uns hervor. Was den Berufspolitiker wirklich erregt und antreibt, ist das maßlose Verlangen nach Macht. Wer diese Obsession nicht hat, wird der kleinlichen und trivialen Praxis der Politik angeekelt den Rücken zukehren.“ 4
Das sind Sätze, die auch jemand über die deutsche Politik geschrieben haben könnte.

Außenpolitik

Noch offener tritt das Tier auf die Bühne in der Außenpolitik, in der angeblich Völker miteinander in Beziehung treten, in Wahrheit aber kleine Cliquen mit dem Machtinstrument des Einheitsstaates in der Hand gegeneinander um die Erhaltung und Ausdehnung ihrer Macht kämpfen. Die politisch Herrschenden identifizieren sich noch immer anmaßend mit dem Staat als der „verfassten Gesamtheit aller“. Ihr machtsüchtiges Ego bläht sich auf zum machtsüchtigen Staat, durch den sie mit den Machthabern der anderen Staaten um die Vergrößerung ihrer Macht und ihres Einflusses ringen, was unter dem nichtssagenden Begriff der internationalen Politik verschleiert wird.

Mit dem ganzen Arsenal des höheren Tieres, mit Täuschung, Lüge und Drohung, Intrigen, Verschwörungen und Sanktionen, versteckten Terrorunternehmungen und Regierungsumstürzen bis zur primitivsten Form der offenen Gewalt, dem Krieg, wird in der internationalen Machtpolitik unentwegt versucht, die andern zurückzudrängen, zu schwächen und sie schließlich samt ihrer hilflosen Völker mit brutalster Waffengewalt physisch zu überwältigen und dem eigenen Willen zu unterwerfen. Insbesondere das 20. und das begonnene 21. Jahrhundert sind von diesen Kämpfen der menschlichen Bestien gegeneinander gekennzeichnet. Wir leben mitten darin.

Die Macht der Herrscher speist sich aus der Kraft der Wirtschaft, die dem Staat dienen soll. Sie konzentriert sich heute noch in ihrer kapitalistischen Form in den Händen weniger und wird zur wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Macht, die äußerlich der Politik dient, in Wirklichkeit aber diese vielfach im Sinne ihrer Profitinteressen bestimmt. Die Macht breitet sich heute primär durch die Globalisierung der kapitalistischen Real- und Finanzwirtschaft aus, welche die nötigen Abhängigkeiten erzeugt. Und aus der Wirtschaft wächst die militärische Macht hervor, die den politischen Machtansprüchen Nachdruck verleiht und ihnen schließlich mit Gewalt Geltung verschafft. All dem ist der einzelne Mensch hilflos und für ihn zumeist undurchschaubar ausgesetzt.
Wenn Freiheit, Gleichheit und Solidarität herrschen sollen, muss dieses Machtnetz aufgelöst werden.

Im heutigen Staatsgedanken hat sich die vorchristliche theokratische Idee eines mystischen Gesamtwillens, den der Herrscher repräsentiert und realisiert, auf unreflektierte Weise erhalten. Die modernen Machthaber beanspruchen in ihrer Hybris, Repräsentanten der Nation, des Volkes, der Bevölkerung Europas zu sein und deren rechtlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Willen, im Staat zusammengefasst, gegenüber den Machthabern anderer Staaten zu vertreten. Aber es gibt keinen Willen der Menschenansammlungen Nation, Volk oder Europäische Gemeinschaft. Das ist eine Fiktion. Einen Willen haben nur die einzelnen individuellen Menschen, und die sind sehr verschieden. Der „Wille des Staates“ ist in Wahrheit der Wille derjenigen, die sich den staatlichen Herrschaftsapparat als Instrument ihrer Machtsucht zur Beute gemacht haben.

Aufgliederung des Einheitsstaates

Der Staat darf heute kein Selbstzweck mehr sein, sondern nur Mittel zum Zweck der Entwicklung des Menschen zur freien, sich selbst bestimmenden Individualität. Diese hat nicht dem Staat zu dienen, sondern der Staat ihr. Und der Staat ist nicht die „verfasste Gesamtheit aller“, sondern darf nur die Rechtsorganisation der freien Individualitäten zur Schaffung innerer und äußerer Sicherheit sein. Gesetze, die den Menschen ein bestimmtes Handeln vorschreiben bzw. verbieten, dürfen sich nur auf das reine Recht, auf das gerechte Verhältnis von Mensch zu Mensch beziehen. Hier ist auch jeder Mensch urteilsfähig.

Sowie jedoch Gesetze auf inhaltliche Regelungen des Wirtschafts- und des Kulturlebens gerichtet sind, erheben sich die „Gesetzgeber“ anmaßend über die dort wirkenden Menschen, die Ihnen aber gleich sind an Fähigkeit, selbst zu den nötigen Erkenntnissen zu kommen und danach zu handeln. Jedes Gesetz „von oben“ hebt ihre Gleichheit, Freiheit und Selbstbestimmung und damit die Grundlagen der Demokratie auf.

Daraus folgt zwingend, dass die Bereiche der Wirtschaft und des geistig-kulturellen Lebens (einschließlich des Bildungs- und Gesundheitswesens) aus der jetzigen Staatsallmacht herauszulösen sind. Die dort sachkundig tätigen freien Menschen müssen diese Lebensbereiche, natürlich im Rahmen des verpflichtenden Rechts, aber unabhängig von irgendeinem Dirigismus, nach deren eigenen Lebensbedingungen frei entfalten können. Dafür kann es nur jeweilige Selbstverwaltungs-Organisationen geben, die nichts von oben bestimmen, sondern in denen die vielfältigen Tätigkeiten vertraglich horizontal koordiniert werden.  

Es ergibt sich so eine dreigliedrige Gesellschaftsordnung in drei relativ selbständige Lebensbereiche, die sowieso vorhanden sind, sich nur nicht ihren Lebensbedingungen gemäß frei entfalten können, da sie bis heute vom alten Machtstaat vergewaltigt werden.6

Daraus ergibt sich auch, dass Wirtschaft- und Geistesleben international nicht vom Staat vertreten werden, sondern aus ihren Selbstverwaltungen heraus je eigene internationale Beziehungen unterhalten. Und so könnte auch die Entscheidung über einen Krieg niemals von den Vertretern des Rechtslebens allein getroffen werden, sondern natürlich müssten die selbständigen Selbstverwaltungs-Organisationen des Wirtschafts- und des Geisteslebens zustimmen.

Man muss sich endlich klar werden, dass dem sozialpathologischen Wahnsinn der Gegenwart nur Einhalt geboten werden kann, wenn die Allmacht des Staates aufgelöst, er selbst auf das reine Rechtsleben beschränkt wird und das Wirtschafts- und Geistesleben in die horizontal koordinierende Selbstverwaltung der dort tätigen sachkundigen Menschen entlassen werden. Nur so ist wirkliche Demokratie möglich.

Der freie, sich selbst bestimmende Mensch muss endlich in seine vollen Rechte eingesetzt und alles gesellschaftliche Leben auf seine Förderung und Entfaltung hinorientiert werden.

Die herrschenden Egomanen können nur entmachtet werden, indem ihnen ihr entwicklungsfeindliches, antidemokratisches staatliches Machtinstrument aus der Hand genommen wird. Sonst wird die Selbstzerstörung der Menschheit weiter fortschreiten. 

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1  Die theokratische Herrschaftsstruktur in der Demokratie
2   Siehe Anm. 1
3   Karl Heyer: Beiträge zur Entwicklung des Abendlandes IV. Band „Machiavelli
und Ludwig XIV., Stuttgart  1964
4   a.a.O. S. 95-96
5  Zitiert nach André F. Lichtschlag in „eigentümlich frei“ Aug./Sept. 2013, S. 40
6  Von Rudolf Steiner gründlich entwickelt in: Die Kernpunkte der sozialen Frage, GA 23

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Autor: hwludwig

herwilud@gmx.de

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